Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Angriff 30.01.1917

Kriege > 1. Weltkrieg

Kriegstagebuch von Captain John Martin MC

vom 30.01.1917 über einen englischen Angriff auf die deutschen Stellungen am Butte de Warlencourt, einem Kreidefelsen bei Le Sars

John Martin ging am 12. März 1915 nach Frankreich und wird am 11. Mai 1916 als Kompaniechef (Captain) bei den 8th/10th Gordon Highlanders aufgeführt.

Bei diesem Angriff geriet der
Unteroffizier Nikolaus Trieschmann aus Widdershausen in englische Gefangenschaft, er war einer der 17 Gefangenen, von denen Captain John Martin in seinem Kriegstagebuch berichtet.

In der Nacht vom 29. Auf den 30. Januar 1917 wurde von der B- und D- Kompanie der Gordon Highlanders ein Überfall auf den Butte de Warlencourt und den angrenzenden Steinbruch (Quarry) durchgeführt.
Die beiden um Mitternacht angreifenden Kompanien waren in weiße Kittel mit geweißten Stahlhelmen gekleidet, zur Orientierung nutzten sie Markierungsbänder, die in der Nacht zuvor von Hauptmann (Captain) Martin und Captain Priday verlegt wurden.

Butte de Warlencourt kurz nach dem 1. Weltkrieg, an diesem Kreidefelsen, von den englischen Soldaten auch Todeshügel genannt, mussten tausende Soldaten aller beteiligten Nationen ihr Leben lassen.

Leutnant Mutch hatte das Kommando über die B-Kompanie mit Unterleutnant (Second Lieutenant 2Lt) Kemp, 2Lt Walker, und 2lt Hafford. Leutnant Kenyon hatte das Kommando über die D-Kompanie mit 2Lt Knowles und 2Lt Farster.

Es gab zwar Schwierigkeiten, aber um 01:30 erreichten die Männer ihren vorläufigen Wartebereich.
Die deutschen Drahthindernisse waren an vielen Stellen durch die Artillerie unterbrochen und in die eigenen Drahtverhaue hatten die Pioniere Gassen vorbereitet.
Während dieser ganzen Zeit gab es praktisch von beiden Seiten keinen Beschuss. Genau um 01:45 Uhr platzierte unsere Artillerie mit allen Kalibern ein intensives Sperrfeuer auf den Feind und dessen Gräben vor dem Butte de Warlencourt. Die Artillerie wurde unterstützt von Stokes-Kanonen, Minenwerfern und mittleren Maschinengewehren.

Sofort begann die Artillerie die anstürmenden Wellen mit Sperrfeuer zu unterstützen, um die Überquerung des Niemandslandes zu ermöglichen. Die Angreifer stießen praktisch auf keinen Widerstand, mit Ausnahme der linken Flanke vom Steinbruch, von hier bekamen wir für eine kurze Zeit MG-Feuer.

Butte de Warlencourt und der Steinbruch bei Le Sars auf einer Skizze von Captain Robert Mauchlen vom 9 th Btl. DLI vom 08.11.1916

Die beiden Wellen bewegten sich stetig nach vorn und erreichten den Butte de Warlencourt nach 10 Minuten. Der Boden war in einem sehr schlechten Zustand und voller enormen Krater. Das Ziel der B-Kompanie war der Butte und darin befindlichen wichtigen Unterstände. Die B-Kompanie stieß auf einen deutschen Unterstand, der von 6 Soldaten gehalten und kurze Zeit später erobert wurde. Die B-Kompanie drang in den Butte Laufgraben (Butte Trench) ein und entdeckte einen tiefen Stollen mit Minenwerfer und MG-Nest. Das MG-Nest wurde zerstört und der Stollen gesprengt.

Der linke Flügel und das Zentrum der B-Kompanie sahen keinen Graben vor dem Erreichen des Butte, sie entdeckten aber mehrere Unterstände. Die Besatzungen wurden aufgefordert, sich zu ergeben, der erste Unterstand wollte nicht aufgeben und wurde zerstört.

Trench Map Karte der Grabensysteme bei Le Sars an der Straße von Albert nach Bapaume

Aus dem zweiten Unterstand wurde nur ein Soldat gefangen genommen und der Unterstand ebenfalls zerstört. Im dritten Unterstand wurden 12 Soldaten gefangen genommen und der Unterstand zerstört. Das Ziel der D-Kompanie war der Steinbruch (Quarry). Dies wurde nach kurzer Zeit erreicht, kurzzeitig unterbrochen von einem Maschinengewehr am linken Rand. Diese Waffe wurde ausgeschaltet und dann wurde der Vormarsch zum Steinbruch fortgesetzt. Viele deutsche Soldaten wurden überrannt und getötet. Ein Stollen an der rechten Flanke wurde erfolgreich bombardiert.
Weitere sechs Soldaten wurden gefangen genommen, dieser Trupp erreichte aber nie unser Bataillons-Hauptquartier. Der Angriff auf den Butte de Warlencourt in dieser Nacht war ein voller Erfolg, 17 Gefangene wurden von uns übergeben.
Nach allen Berichten belaufen sich die Ausfälle des Feindes auf 50 oder 60. Unsere Verluste sind auf 16 oder 17 zu beziffern. Es waren drei Offiziere, zwei 2Lt Farster und 2Lt Walker leicht verwundet und 2Lt Knowles wird vermißt.
Die Gegenwehr des Feindes hielt sich in Grenzen, es wurde kein Sperrfeuer auf unsere Linien gesetzt und kein SOS-Signal beobachtet.
Es wird vermutet, dass aufgrund der vorausgehenden Ruhe, unsere Absichten nicht erkannt und kein Angriff in dieser Nacht erwartet wurde. Laut einem Gefangenen, der ein wenig Englisch sprach, kam der englische Angriff völlig überraschend.

Gegen 03.15 Uhr brannten viele Unterstände auf der Butte, man hörte Explosionen und Flammen stiegen dort etwa 30 Meter empor, um 10 Uhr heute Morgen war der Butte immer noch von Rauchschwaden umgeben.

Link auf die englische Original-Website!

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