Brauerei - Widdershausen aktuelles Projekt

Chronik Widdershausen
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Brauerei

Dorfleben
Wandteller der Brauerei Engelhardt 1970 er Jahre
Bierdeckel der Brauerei Engelhardt 1980 er Jahre
Das Wappen der Hersfelder Brauer
Brauerei Wilhelm Engelhardt in Bad Hersfeld
Am 01.01.1861 pachtet der Brauer Wilhelm Engelhardt die Brauerei Gg. H. Sauer im heutigen „Blauen Haus„ am Linggplatz, um sie später käuflich zu erwerben.

Er braut ein untergäriges Bier, dass gern und viel getrunken wird. Von 1867 bis 1895 vergrößert sich die Brauerei auf den Grundstücken an Neumarkt, Brink und Webergasse und bohrt auf dem Grundstück einen Brunnen.

Nach seinem Tod im Jahr 1895 übernehmen Wilhelm Engelhardts Söhne Heinrich und Ludwig die Brauerei.

Von 1904 bis 1914 werden Niederlassungen in Kassel, Hünfeld, Rotenburg, Alsfeld, Marburg, Gelnhausen und Vacha gegründet und ein Bierausstoß von 24.000 hl erreicht. Im 1. Weltkrieg reduziert sich dieser auf 9.000 hl.
„Hopfen und Malz, Gott erhalts“: Das war der Wahlspruch der Bierbrauer. Die Belegschaft der Brauerei Engelhardt ist auf dem Gruppenfoto von 1902 zu sehen.
Das sogenannte "Saufhaus", der brauereieigene Ausschank am Brink, ein mit mancherlei Kuriositäten ausgestattetes Kneipzimmer der Hersfelder Honoratioren, wird weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.
Zur Ausbildung in der bis 1914 in Hersfeld ansässigen preußischen Kadettenanstalt, dem heutigen Finanzamt, stationiert, besuchen viele Offiziersanwärter das "Saufhaus" und berichten darüber in ihrer Heimat.
Schreiben, nur mit der Anschrift Bad Hersfeld - Saufhaus, erreichen ihre Adressaten.
Das Hersfelder Braugewerbe (1936)

Bezeugt der Herfelder Flurname "Am Weinberg", daß vom alten Benediktinerkloster der Weinbau gepflegt und betrieben wurde, so verrät uns der in der Nachbarschaft des Winbergs gelegene "Hopfengarten", daß auch die Bierbereitung von ihm ausgegangen ist, denn jedes größere kloster hatte sein Brauhaus.
Als im 12. Jahrhundert die Stadt Hersfeld entstand, werden die Bürger sehr bald die Braugerechtsame, die dem Landesherrn - hier dem Abt - zustand, erworben haben. Wie jeder Bürger im Mittelalter Hausschlachterei und Hausbäckerei betrieb, so bereitete er sich auch das Bier.

Weil nun aber die Brauanlagen recht teuer waren und einen verhältnismäßig großen Raum einnahmen, so schuf man eine gemeinsame Anlage, daß Städtische Brauhaus, so wie man heute in der Stadt das gemeinsame Schlachthaus und auf dem Dorf das gemeinsame Backhaus hat.

Das Hersfelder Brauhaus lag neben dem Weiher, dem alten Feuerteich und dem Marktplatz, neben dem Caselitz'schen Haus am Linggplatz. Der Braumeister wurde von der Stadt bestellt.
Das Braurecht stand jedem Vollbürger zu. Die Benutzung des Brauhauses wurde in der Weise geregelt, daß die Reihenfolge ausgelost wurde. Dafür wurde eine Abgabe erhoben. Natürlich konnte der Bürger auf sein Braurecht verzichten und sein Braulos verkaufen. So gab es im Jahr 1747 in Hersfeld zwar 659 brauberechtigte Bürger, aber nur 50 machten von ihrem Recht Gebrauch.

Nach der städtischen Bauordnung von 1600 konnten die Bürger ihr selbst gebrautes Bier auch an andere verschänken, jedoch nur in ihren eigenen Häusern und immer nur zwei, an den Markttagen dagegen vier. Aber zum Lullusfest durfte jeder Bier verschänken so viel er hatte, doch nur unter freiem Himmel vor seiner Haustür.
Geeichte Gefäße, nur solche durften verwendet werden, lieferte das Rathaus. Sie gingen von Hand zu Hand.
Währen sich früher der Wein- und Bierkonsum die Wage hielten, änderte sich das im 30 jährigen Krieg. Der Bierumsatz stieg stark an, und die Biersteuer war ein Haupttitel im städtischen Haushalt geworden. Im Jahre 1698 hatte die Stadt eine Gesamteinnahme von 2228 Gulden, davon kamen 801 Gulden aus der Bierabgabe. Im Jahre 1747 betrugen die Bierabgaben sogar mehr als die Hälfte der städtischen Einnahmen, nämlich 1770 Reichstaler bei 3100 Reichstaler Gesamteinnahme.

Aber die Konkurrenz der auswärtigen Biere wurde trotz aller Einfuhrverbote immer größer, auch gingen viele Dörfer zur eigenen Bierbereitung über. Die Zahl der bierbrauenden Bürger nahm immer mehr ab. 1816 wurde das Reihebrauen abgeschafft und das Stadtbrauhaus an Berufsbrauer verpachtet. Damit wird die Brauerei auch in Hersfeld ein selbstständiges Gewerbe.

Im Zuge dieser Entwicklung kam im Jahre 1861 der Bierbrauer Wilhelm Engelhardt aus Kassel nach Hersfeld und pachtete die dem Bierbrauer Georg Hermann Sauer und seiner Ehefrau Katherina geb. Hagemann gehörige Brauerei am Markt - der heutigen Stiftsschänke - und den vor dem Frauenthor am Wehneberg gelegenen Felsenkeller - jetzt Gickelsburg - ab 1. Januar 1861. Dieser Tag ist daher als der Gründungstag der heute noch bestehenden Brauerei W. Engelhardt in Hersfeld zu betrachten.

Der Bierbrauer Wilhelm Engelhardt scheint ein tüchtiger Mann seines Fachs gewesen zu sein, denn bereits nach einigen Monaten bekam er von der sogenannten Bierkommission ein öffentliches Lob über sein Gebräu, das unter anderem lautet:

Brau immer solches Bier,
Sei freundlich Deinen Gästen,
Dann blüht Dein Weizen hier,
Du fährst dabei am besten.

Nach den Ratsakten bekamen im Jahre 1866 nachstehende Bierbrauer die Konzession zum Bierbrauen:

Georg Hermann Wolff
Peter Heinrich Steinweg
Johann Wolff Witwe
Balthasar Wolff Witwe
Wilhelm Engelhardt.

Vor dem Kriege 1914 gab es in Hersfeld noch 4 in Betrieb befindliche Brauereien, und zwar die

Brauerei Witwe Steinweg am Hanfsack - die heutige Linggklause
Brauerei Peter Wolf am Kirchplatz - das jetzige Gasthaus "Altes Brauhaus"
Brauerei Wilhelm Engelhardt am Neumarkt
Brauerei Gebrüder Steinweg am Marktplatz - die jetzige Marktschänke.

Kriegsnot unterbrach jäh den Aufstieg und die Weiterentwicklung dieser Brauereien. Schwer waren die materiellen Verluste durch Stillegung und Zwangswirtschaft. Die verheerende Inflation nahm den Rest hinweg. So kam es, daß die Brauerei Steinweg am Markt 1920 ihre Pforten schloß und die Brauerei Steinweg am Hanfsack mit der Brauerei W. Engelhardt 1920 zusammenging. Die Kundschaft der Brauerei Peter Wolff wurde im Jahre 1924 aufgrund der bestehenden Kontingentierungen von den umliegenden Brauereien, besonders der Brauerei W. Engelhardt übernommen.
So blieb als einzige Brauerei die Brauerei W. Engelhardt übrig, die nunmehr in sich fast alle früher bestehenden Brauereibetriebe vereinigt. Aus einem kleinen Handwerksbetrieb entstanden hat sich durch rastlosen Fleiß der Besitzer zu dieser Stellung emporarbeiten können.

Aber die Notjahre haben auch der Brauerei Engelhardt so tiefe Wunden geschlagen, daß aus Familiengründen heraus eine Anlehnung an einen größeren Betrieb gesucht werden mußte. Durch den Anschluß an die Aktienbrauerei Eisenach floß neues Blut und neue Kraft in das Unternehmen, sodaß diese alteingesessene Brauerei, die sie ist und auch bleiben wird, durch modernste Einrichtungen und durch die Güte seiner Erzeugnisse mit berechtigten Hoffnungen in die Zukunft das 75. Jahr überschreitet. Im Anbruch einer neuen und besseren Zeit besteht diese feste Zuversicht!

Fassbierauslieferung mit den ersten Lastkraftwagen
Reklameschilder aus Blech der Brauerei Engelhardt in Bad Hersfeld
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