Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

Suche auf Website

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Die Anfänge

Bergbau

Die Anfänge des Kalibergbaus in Heringen 1899

Das Abteufen des Schachtes Grimberg

Der Nachweis der Kalisalze im Werratal im Jahre 1893 löste ein Vielzahl von bergbaulichen Aktivitäten zur weiteren Erkundung und Erschließung der Lagerstätte aus. Auch im Raum Heringen wurde durch die am 13. Februar 1894 in Bochum gegründete Bohrgesellschaft „Wintershall" eifrig gebohrt. Die führenden Repräsentanten dieser Gesellschaft waren die Herren Heinrich Grimberg aus Bochum und CarI Julius Winter aus Kamen. Von 1895 bis 1913 wurden im Werratal insgesamt 28 Kalischächte abgeteuft. Sieben lagen auf hessischer und 21 auf thüringischer Seite.

Carl Julius Winter aus Kamen

Die Leitung der Bohrarbeiten übernahm in Heringen bald der Bohringenieur August Rosterg. Er stieß im Jahre 1899 bei 450m Teufe auf ein abbauwürdiges Kalilager. Der erste Betriebsplan der inzwischen gegründeten Gewerkschaft Wintershall, vom Vorsitzenden und Grubenvorstand Heinrich Grimberg und August Rosterg als Betriebsführer am 8. November 1899 erstellt faßte schon das Abteufen eines Schachtes bei Heringen ins Auge.

Der Plan verblüfft durch seine Einfachheit und Kürze, verglichen mit den umfangreichen und detaillierten Rahmen-, Haupt- und Sonderbetriebsplänen, die heute erforderlich und üblich sind.

Heinrich Grimberg aus Bochum

Am 23. April 1900 erfolgte der erste Spatenstich zum Abteufen des Schachtes Grimberg. Über den Abteufplatz und das angrenzende Gelände, auf dem parallel zum Schachtteufen die Fabrikanlagen errichtet werden sollten, führte die Straße von Wölfershausen nach Widdershausen. Diese war daher zunächst zu verlegen. Sie wurde ein Stück nach Westen auf den Hang des Höneberges verschoben und verläuft seitdem als Widdershäuser Straße vomsogenannten „Dreieck“ bis zum nördlichen Ende des Werkes Wintershall, ca. 20 Meter über der Talsohle, auf der heute das Werk steht.

Abteufmannschaft von Schacht Grimberg I in Heringen/Werra an der Widdershäuser Strasse im Jahre 1901 (die Widdershäuser Strasse wurde wegen der Schachtansiedlung auf die Anhöhe/Schachtküppel verlegt)

Abteufmannschaft des Grimbergschachtes im Werk Wintershall, li. Sitzend August Rosterg 1900

Bereits beim Durchteufen des Buntsandsteins traten starke Wasserzuflüsse auf. Als diese am 6. Juli 1900 7 m³/min erreichten, konnte die dampfbetriebene Wasserhaltung die Zulaufmenge nicht mehr bewältigen, das Teufen mußte zunächst aufgegeben werden, und der Schacht lief voll Wasser. Erst nach Aufstellen eines großen Dampfkessels waren die Zulaufmengen beherrschbar, der Schacht wurde gesümpft und das Teufen fortgesetzt, wobei dauernd erhebliche Wassermengen zuliefen. Diese ließen erst weitgehend nach, als zunächst bis 141 m der Schacht mit Tübbingen ausgebaut worden war.

Blick auf das Kaliwerk Wintershall aus Richtung Bengendorf, aufgenommen um 1920

Nun mußte allmählich Vorsorge für das Durchteufen des gefürchteten wasserführenden Plattendolomits getroffen werden. Bei anderen bisher an der Werra geteuften Schächten waren die Zuläufe so stark gewesen, daß das Teufen von Hand aufgegeben werden mußte. Der Plattendolomit konnte in diesen Fällen nur mittels eines Schachtbohrverfahrens nach Kind-Chaudron durchfahren werden. Der gesamte Schachtquerschnitt wurde dabei im stehenden Wasser mit einem großen Bohrer abgebohrt. Da der Bohrer nur einen maximalen Durchmesser hatte, der etwas geringer als die Tübbingsäule im oberen Teil war, konnte auch nur dieser Durchmesser im Plattendolomit gebohrt werden. Mit dem späteren Schachtausbau ergab sich daher eine unerwünschte, aber unvermeidbare Engstelle im Schacht.

Der Ausbau wurde bei den abgebohrten Schächten als Röhre, zusammengesetzt aus einzelnen Gußringen, im Wasser als Ganzes eingeschwommen. Nach Absetzen der Röhre (Fachbezeichnung „Cuvelage“)auf der Schachtsohle wurde die Röhre mit Beton hinterfüllt und das darin befindliche Wasser abgepumpt. Nach dem Sümpfen konnte in den weiteren trockenen Gebirgsschichten von Hand weitergeteuft werden.

Das Schachtbohren war wegen der umfangreichen technischen Anlagen und wegen des teilweise nur sehr geringen Bohrfortschritts (manchmal nur 1,3 m/Monat) sehr teuer. Diese hohen Kosten sollten im Schacht Grimberg, wenn nur irgend möglich, vermieden werden. Außerdem wäre eine Verringerung des Schachtdurchmessers von großem Nachteil gewesen. Es wurde angestrebt, auch den Plattendolomit konventionell von Hand zu durchteufen.

Um die erwarteten Zuflußmengen beherrschen zu können, wurde eine Tomsonsche Wasserzieheinrichtung eingebaut. Hierbei wurden im Schacht in geringem Abstand über der Sohle zwei große le 36 m³ Wasser fassende Behälter an über Tage im Abteufturm verlagerten Seilen aufgehängt. In diese pumpten druckluftbetriebene Pumpen das Zulaufwasser von der Schachtsohle.

Abb.: Übersichtskarte von dem Gebiet der Bohrgesellschaft Wintershall, Januar 1899, mit den Bohrlöchern 1 bis 10 und den Grubenfeldern I, II, III und V, die Widdershäuser Flur liegt über den Grubenfeldern I und III.

Über Tage wurden 3 Fördermaschinen nur für die Wasserhaltung installiert, die mittels 10 m³ fassender Kübel, die in die über der Schachtsohle hängenden Behälter tauchten, das Wasser zutage förderten. Entsprechend dem Teuffortschritt wurden die Behälter an den Seilen nachgelassen. Mit der darunter aufgehängten Pumpe hatte ein solcher Behälter, gefüllt mit Wasser, ein Gewicht von 70 t.

Ein großer Vorteil der Tomsonschen Wasserzieheinrichtung war, daß alle Anlagen an Seilen aufgehängt waren. Wurden die Zuflußmengen so groß, daß sie auch mit dieser Einrichtung nicht bewältigt werden konnten und der Schacht zu ersaufen drohte, dann konnten alle Bauteile an den Seilen aus dem Schacht herausgezogen werden. Damit wäre auch das Schachtbohren noch anwendbar gewesen.

Am 9. Dezember 1901 wurde der Plattendolomit im Schacht Grimberg erreicht. Beim Durchteufen betrug der Wasserzufluß bis 6 m³/min, die von der Tomsonschen Wasserzieheinrichtung problemlos gehoben werden konnten. Diese wäre sogar in der Lage gewesen, 15-16 m³/min. zu heben.

Aufräumen der Salze nach einer Sprengung um 1920

Bereits am 12. Februar 1902 war der 28 m starke Plattendolomit (228 -256m) durchteuft, und Ende Februar war der dichte Wasser­abschluß gegeben. Beim Weiterteufen standen nun nur noch trockene Gebirgs­schichten an. Die Tübbingsäule wurde noch bis zu einer Teufe von 273 m ins trockene Gebirge hinein verlängert, darunter ist der Schacht bis zur Endteufe mit Ziegelsteinen ausgemauert.

Im September 1902 hat man das obere Kalilager in 424 m Teufe angetroffen. Die Endteufe des Schachtes wurde im Dezember 1902 erreicht (später wurde der Schacht auf 546 m tiefer geteuft). Nach Einbau der Schachtförderanlage begann die Kaliförderung Ende Juli 1903. So nahm auch die Industrialisierung im Werratal ihren Einzug und veränderte die Lebensform der Bevölkerung, die vorher nur auf die karge Landwirtschaft angewiesen war.

Der Schacht Grimberg war der erste Schacht, in dem der Plattendolomit von Hand durchteuft worden ist; alle bis dahin an der Werra geteuften Schächte mußten das zeit - und kostenaufwendige Bohrverfahren nach Kind - Chaudron anwenden. Damit war es auch möglich, den Schachtdurchmesser bis zur Endteufe durchgehend auf 5,5 m zu halten, so daß später zwei Förderungen mit zwei Gefäßen eingebaut werden konnten.

Die Leistung des Plattendolomit-Durchteufens von Hand fand damals in Bergbaukreisen größte Beachtung, es war viel Wagemut für das Vorhaben erforderlich.

Mit der heute zur Verfügung stehenden Technik wäre das Teufen des Schachtes Grimberg weniger spektakulär: Mit dem heute üblichen Gefrierverfahren würde ein Frostzylinder hergestellt, in dem gefahrlos in festem Gebirge ohne Zuflüsse geteuft werden könnte.

Aber noch eine kaum nachzuempfindende Leistung der damaligen Teufmannschaft verdient höchste Beachtung: Auf der Sohle liefen ununterbrochen zwei große druckluftbetriebene Pumpen (je 7 m³/min. Leistung), die das Wasser in die Tomsonschen Wasserbehälter förderten. Dazu kam der hohe Geräuschpegel der Arbeitsgeräte auf der Schachtsohle, wo demgemäß ein Höllenlärm herrschen mußte. Dazu 6 m³/min Wasserzulauf aus dem Plattendolomit und Tropfwasser aus dem darüber liegenden, noch nicht ausgebauten Gebirge. Nässe und Lärm verursachten höchste Belastung, daher höchste Anerkennung und Dank an die ersten Bergleute des Werkes Wintershall.

Blick auf das Kaliwerk Wintershall aus Richtung Widdershausen, aufgenommen um 1925

Inzwischen ist der Schacht Grimberg fast 100 Jahre alt. Sein Tübbingausbau, die einzige Sicherung des wasserempfindlichen Kalibergwerkes gegen die wasserführenden Schichten darüber, ist in dieser Zeit vielfältigen Belastungen ausgesetzt gewesen. Vergußstopfen in den Tübbingen bestehen nur aus Holzpfropfen, die vergehen können. Durch Temperatur­schwankungen werden die Bleidichtungen zwischen den einzelnen Tübbingsegmenten sowie auch die Tübbingschrauben undicht. Aufwendige Unterhaltungsarbeiten in dem permanent fördernden Schacht wurden daher immer wieder erforderlich.

Um die Schachtröhre für die kommenden Jahrzehnte weitestgehend wartungsfrei zu machen und zu sichern, erhält die alte Tübbingsäule eine zusätzliche Stahlvorbausäule von insgesamt 1.800 Tonnen Gewicht und einer Stärke bis 70 mm. Diese 280 Meter lange Vorbausäule wurde in den Sommerpausen 1993 und 1994 eingebaut, sie ist ein wesentlicher Faktor für die Zukunftssicherung des Bergwerkes.

Diese historische Aufnahme zeigt den ersten Spatenstich für den Schacht Heringen am 1.Juni 1907 durch August Rostergers Ehefrau Dora- die erste Bohrung, die Wintershall in eigener Regie und ohne den Namensgeber Carl Julius Winter abteufte

Homepage | Aktuell | Gemeinde | Dorfleben | Einwohner | Landwirtschaft | Schule | Kirche | Vereine | Bergbau | Erdbeben | Eisenbahn | Werra | Zonengrenze | Jagd | Burg Hornsberg | Sagen | Mittelalter | Landkarten | Kriege | Literatur | Gästebuch | Kontakt | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü