Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Die Eichburg

Burg Hornsberg

MH Band XX, Nr. X, Februar 1920

Die Eichburg

Von J.H.Gebauer, Essen

Halbwegs zwischen Heringen und Lengers streckt der Vacher Berg, der ein Ausläufer des Thüringer Waldes ist, einen schmalen Bergsattel weit ins Werratal vor. Die obere Fläche des Sattels dacht nach der Talseite zuerst nur wenig ab, eine kleine Hochebene bildend, um dann aber hart am Talrand unvermittelt steil in den Werragrund abzustürzen. Die äußerste Spitze dieses Sattels führt den Namen Eichkuppe.

Burgplatz der Eichburg oberhalb von Lengers

Heute bildet die Eichkuppe einen kahlen Berg, der ausser einer mäßigen Fernsicht über wenige Nachbardörfer keine Besonderheiten bietet. Bildet die Kuppe darum keinen Anziehungspunkt für Naturfreunde, so ruft sie aber doch das Interesse des Geschichtsfreundes wach durch mehrere Sagen, die sich an das ehemals auf ihrem Gipfel stehende Schloß, die Eichburg, knüpfen. Freilich, eine Forschung in der Geschichte nach der Eichburg führt zu keinem Ergebnis, denn in den bis jetzt bekannten Urkunden wird auch noch nicht einmal der Name dieser Burg erwähnt. Es würde darum auch gar keinen Zweck haben eine Geschichte der Eichburg schreiben zu wollen, aber mehrere der von der Burg überlieferten Sagen werden durch Urkunden derartig unterstützt, dass dieselben als unmittelbare geschichtliche Überlieferungen betrachtet werden dürfen.

Der ehemalige Heringer Pfarrer Johannes Schlottmann schrieb auf Befehl des Kasseler Konsistoriums am 4. Januar 1720 einen Bericht geschichtlichen Inhalts über verschiedene Gegenstände; in dem Bericht heißt es über die Eichburg: „Die Eichburg oder Windersburg dieses Schloß hat gelegen zwischen Heringen und Lengers vor dem Jungstel auf der Spitze des Berges. Ein Viehhaus diesem Schloß hat zugestanden im Grunde unter dem Teichrain bei einem Brunnen, welcher einen großen Teich erfüllt (In einer Urkunde vom Jahre 1556 „StAM Heringen“ heißt dieser Teich „Thomasteich“, wonach wohl er jetzige Flurname „Zum Tremmes“ herzuleiten ist. Der Teich ist vor etwa 60 Jahren zugeschüttet worden) und seinen Ausfluss in die Werra hat. Wer dieser Eich- oder Windersburg Bewohner gewesen, ist unbekannt. Die Taten, durch welche die Helden der Hornskuppe und Eichburg Nachklang hinterlassen, sollen im rauben bestanden haben, wie denn unsere Alten von ihren Alten gehört, dass diese beide und das Markershäuser Schloß Brandenfels, welche sich alle drei im Gesichte sehet, bei nächtlicherweile durch angesteckte Fackeln Zeichen gegeben, wann sie hätten ausfallen und ihre Desserins ausführen wollen. Dem sei wie ihm wolle, so hat das Schloß Eichburg der Pfarrei Heringen durch Vermachung der Lengrischen Pfarrgüther ein unvergessliches Andenken gestiftet.“

In dem über Burg Hornsberg oben Ausgeführten ist nachgewiesen, dass die von Hornsberg lange Zeit Teilbesitzer der Burg Brandenfels waren; es war dies im 13. und 14. Jahrhundert. Die von Pfarrer Schlottmann mitgeteilte mündliche Überlieferung stimmt also, soweit es sich um Beziehungen zwischen Hornsberg und Brandenfels handelt, mit den geschichtlichen Tatsachen überein.

Weiter wurde oben berichtet, dass Schloß Brandenfels von denen von Hornsberg, von Boineburg und von Treffurt gemeinsam erbaut worden ist. Diese drei Geschlechter haben demnach in sehr naher, wahrscheinlich verwandtschaftlicher Beziehung gestanden. Daß der Adel des Mittelalters Strassenraub in ausgedehntem Maße betrieb, ohne dabei an seiner Standesehre sonderlich Einbuße zu erleiden, ist genügend bekannt. Von den Herrn von Treffurt berichtet uns aber die Geschichte aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts von Räubereien in derartigem Umfang, dass die benachbarten Fürsten sich veranlasst sahen einzuschreiten. Sie eroberten die ganze Herrschaft Treffurt und als das Räuberunwesen nach Wiedereinsetzung der Herrn von Treffurt in ihren alten Besitz unverändert fortgesetzt wurde, nahm man ihnen im Jahre 1336 Burg und Herrschaft kurzerhand ab (Rein, Erloschene Adelsgeschlechter, Thür. Zeitschrift, Band 4, Seite 204 ff). Wegen der nahen Beziehungen der Herrn von Hornsberg zu denen von Treffurt ist es nicht unwahrscheinlich, dass die von Hornsberg mit den Treffurtern gemeinsame Sache gemacht und an den Räubereien teilgenommen haben, so dass uns die Sage, wenn sie von dem Austauschen von Feuerzeichen zwischen Brandenfels, Hornsberg und Eichburg bei geplanten Raubzügen erzählt, sehr wohl geschichtliche Tatsachen überliefert haben mag.

Die Schlottmannschen Überlieferungen sind heute im Volksmunde nur noch soweit bekannt, als sie berichten, das der in der Lengerischen Gemarkung liegende Teil des Heringer Pfarrlandes ein Geschenk der Eichburgbewohner sei. Eine andere allgemein bekannte Sage weiß von einem besonderen Verbindungsweg zwischen der Eichburg und dem Hornsberg zu berichten. Der Sage zufolge ging dieser Weg vom Fuße der Eichkuppe aus zunächst dem jetzigen Landweg Lengers Heringen nach bis an den großen Bogen der Werra unweihet der Tremmesflur (jetzt Schacht Heringen). Hier führte eine Brücke – wie die Überlieferung will, eine Zugbrücke – über den Fluß und setzte den Weg am jenseitigen Ufer über die Oberaue, Unteraue in gerader Richtung bis fast zur jetzigen Alten Werra fort. Von hier aus ging er im sogenannten Schwingental hinauf zum Scheitel des Heinerberges und von dort zur Hornskuppe. Hören wir nun, wie weit diese Sage recht behält.

Bei einem Hochwasser in den 60er Jahren des vorigen Jahrhnderts hatte die Werra an der „Lachen Ecke“ also da, wo früher die Brücke über den Fluß geführt haben soll eine größere Fläche des Wiesengrundes mit fortgespült. Ein durchaus glaubwürdiger Augenzeuge erzählt nun, dass auf dieser vom Mutterboden entblößten Uferstelle ein mit Steinen gepflasterter, etwa 3 Meter breiter Weg sichtbar gewesen sei (Vielleicht entsinnen sich dessen noch mehr Leute in Heringen).

Von dieser Pflasterstelle aus führte noch bis zur Verkoppelung der Heringer Feldflur (1874) in gerader Richtung auf der Oberaue herunter ein hohlwegartig ausgefahrener, alter Weg, der damals aber nur noch als Fußweg benutzt wurde.

Auf der Unteraue am Fuße des unteren Heinerberges, von dem Schwingental liegt eine kleine Wiesenflur, die seit alter Zeit den Namen „Bei der Heinerbrücke“ führt. Meines Wissens zum erstenmal findet sich dieser Name in einer Urkunde vom Jahre 1480 (StAM, Hess. Aktivlohn Jeild.). Der Flurname besagt unzweideutig, dass hier eine Brücke gestanden hat; irgend etwas näheres weiß die Überlieferung aber nicht von ihr. Es ist aber bekannt, dass Brücken im mittelalterlichen Deutschland zu den Seltenheiten gehörten. Sie waren nur da zu finden, wo wichtige Strassen über Flüsse führten. Die Brücken bei Vacha und Berka sind in unserer Gegend wohl die ältesten; beide sind aber kaum vor dem 14. Jahrhundert entstanden. Die Heringer Werrabrücke wird zuerst 1506 erwähnt, zu welcher Zeit Heimboldshausen und Widdershausen noch keine Brücke hatten. Heute ist auch in den Feldfluren jeder Wasserlauf überbrückt. Das ist aber erst ein Fortschritt der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Wenn also schon im Mittelalter auf der Unteraue eine Brücke stand, so muß zweifellos auch ein für die damalige Zeit wichtiger Weg hindurchgeführt haben. Da somit verschiedene Teile jenes sagenhaften Weges als sicher nachgewiesen sind, liegt kein Grund vor, an der geschichtlichen Wahrheit der ganzen Sage zu zweifeln.

Was die Lage der alten Heinerbrücke selbst betrifft, so kann es als sicher gelten, dass sie nicht über die Werra führte, dafür liegt die nach der Brücke benannte Flur zu weit von der Werra ab, sondern wahrscheinlich überführte sie das kleine dort fliessende Bächlein, das etwa 200 Meter weiter in die Alte Werra mündet.

Wenn im Mittelalter zwischen dem Hornsberg und der Eichburg ein mit hohen Kosten erbauter besonderer Verbindungsweg bestand, so muß daraus geschlossen werden, dass beide Burgen einem Eigentümer gehörten. Als solcher kann aber nur die Familie von Hornsberg in Frage kommen. Hieraus erklärt sich auch in der Hauptsache das Schweigen der Geschichte über die Eichburg; ihre Besitzer führten einen anderen Namen als sie selbst, darum ist ihr Name auch nicht in den Urkunden überliefert.

Der Volksmund erzählt von der Eichburg weiter, dass sie eine Doppelburg gewesen sei, deren Vorderteil auf der tiefer gelegenen kleinen Kuppe stand und deren Hinterteil die Hauptkuppe krönte. Tatsache ist, dass man heute auch nicht die geringsten Überreste von der Eichburg mehr findet und zwar sollen, wie erzählt wird, etliche Bauern von Lengers vor 60-70 Jahren die letzten Steinreste der Burg fortgeholt und ihre Höfe damit gepflastert haben.

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