Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Flurnamen

Gemeinde

Die Dorfflur und die Flurnamen der Gemeinde Widdershausen

Um die endgültige Festsetzung der Grenze hat es in alter Zeit häufig Streitigkeiten mit den Nachbargemeinden gegeben, zumal das Wissen um die richtigen Grenzpunkte nicht schriftlich niedergelegt war, sondern mündlich weitergegeben wurde. Der Eid der Alten, mit dem sie bekundeten, daß die Grenze so oder so verlaufen wäre, hatte in damaliger Zeit einen ebenso hohen Beweiswert wie heute die Katasterunterlagen.

Im Jahre 1540 gab es Grenzstreitigkeiten zwischen dem Herrn von Kolmatsch (Lehnsherr in Dankmarshausen) und Widdershäuser Bauern über Ländereien in der Marbach.

Als Grenzzeichen benutzte man ursprünglich Bäume, in die man ein Zeichen einschnitt und deshalb Loch- oder Löckenbaum nannte, auch Sträucher und Büsche, einzelne Felsen und andere natürliche Geländemarken. Wo solche fehlten, setzte man Holzpfähle – sogenannte Stöcke – seltener Steine. Die vereidigten Feldgeschworenen markierten die na­türlichen Grenzzeichen durch geheime, nur ihnen bekannte Male - Glasscherben, gezeich­nete Bleiplatten u. a. - die sie unter den Malbäumen und Sträuchern vergruben. Das geheime Wissen wurde neu angenommenen Feldgeschworenen bei der Vereidignng mündlich weitergegeben. Die Vergänglichkeit der natürlichen Grenzzeichen und das Fehlen von schriftlichen Aufzeichnungen stellten einen Unsicherheitsfaktor dar, dem man durch Grenzgänge zu begegnen suchte. In Abständen von mehreren Jahren führten die Feldgeschworenen die männliche Dorfbevölkerung einschließlich der seit der letzten Be­gehung herangewachsenen Jugend um die ganze Gemarkung, wobei sie den Grenzverlauf und die Kennzeichen erklärten. Die Jungen, die zum ersten Male dabei waren, bekamen an jedem wichtigen Wendepunkt eine Ohrfeige, damit sie sich auf diese handgreifliche Weise den Grenzverlauf gut einprägten. War ein Grenzbaum oder Strauch verschwunden, dann suchte man an der den Alten noch bekannten Stelle nach den vergrabenen, unvergängli­chen Kennzeichen und setzte an der Stelle einen Pfahl oder später auch Steine. Im 16. Jahr­hundert begann man mit der Versteinung derGrenze,wobei man die Gemarkungsgrenze mit gezeichneten Steinen versah - Jahreszahl oder ST, auch beides - um sie von den privaten Grenzsteinen zu unterscheiden.

Äußere Ereignisse, aber auch Gleichgültigkeit und Böswilligkeit zerstörten nicht selten die natürlichen oder gesetzten Grenzmale. Unterblieben dann auch noch für lange Zeiträume die Grenzgänge, dann begannen bald die Streitigkeiten mit den Nachbargemeinden. Es ging meistens um die an den Grenzen liegenden Viehtriebe. Pfändungen von Vieh, das vermeintlich die Grenze überschritten hatte, Prozesse und sogar Schlägereien waren die Folge solch ungeklärter Verhältnisse.

Grenzbeschreibung des Amtes Friedewald von 1537

Im Jahre 1537 werden die beiden Widdershäuser Hans Hutzell (60 Jahre alt) und Hanns Blanckenbach (60 Jahre alt), beide sind in Widdershausen (Wittershawsen) aufgewachsen, als Zeugen in einer Grenzbeschreibung des Amtes Friedewald genannt (Friedewälder Salbuch, 163 Blatt 10f). „Die obgemelten menner haben einrechtig angezaigt, das des Söeligswaldts gränitz zwischen Hainbach und dem dorf Seulingssee an der alten landtwheer und straß doselbst angehe, zwischen dem churfürsten und dem landtgraven etc. nach dem dorf Grossensee, zwischen gemeltem dorf und unsers g.f. und herrn etc. see, doselbsthin nach dem dorf Cleinensee, und durch Cleinensee hin uff die landtwheer, fortan nach der Marpach, die Marpach hinnab biß in die Wherra zwischen Witterhausen und Demershausen, und was uff die rechte handt gelegen, steet mit aller fürstlichen obrigkhait unserm g. fürsten und herrn dem landtgraven zu. Forthan über die Wherra zwischen den beden Vischers wyesen hin über die Hornsperger wiesen auf nepiens nottdiges zwischen den Hornsperger wiesen und deren von Wittershausen lehen hin biß uff die landtwheer, so von Egelsdorf herabher geet, furter zwischen der Demerßheuser wiesen und den Bornischen guetern, further uff das wasser, das von Dieppach herabher fleust, und im wasser hinan biß im Seullgrundt. Item, sie berichten daneben, das wasser habe vorzeiten, do jetzt Steffan Zincken hauß steet, hingangen, und do das wasser seinen jetzigen gang bekkommen, seye beruerts Steffans hauß auf den scheidt gesetzt“.


Abb.: Hessisch-thüringischer Grenzstein Nummer 164 (ca. 1,80 m hoch) errichtet im Jahre 1562, Jahreszahlen 1776 und 1811 (Napoleonzeit = Königreich Westfalen), KP steht für Königreich Preußen 1866, 1975 (Grenzkommission Bundesrepublik Deutschland/DDR).

Die Flurnamen stammen aus den Flurkarten des Katasteramtes Bad Hersfeld. Die in Klammern gesetzten Flurnamen sind noch im Sprachgebrauch der Widdershäuser Bürger.

Flurnamen in Widdershausen

Amtliche Form

Mündliche
(mundartliche) Form

Ortsübliche Deutung und Hinweise

Der mittelste Berg

   

Der Bornberg

Där Bönnberg

dieser Flurname weist auf die nahe Bornbergquelle hin, weiterhin könnte er auf die Wüstung Born oder Buren hinweisen, die Ländereien von Born wurden (1553, Friedewalder Salbuch) mit Igelsdorf zusammen von Einwohnern von Dippach bestellt. Auch Buren genannt 1432 (GR Heringen), Born 1438 (GR Born). Es kam 1432 mit dem Gericht Heringen an Hessen. Lehen daselbst besaßen die Herren von Boyneburg. Die Bornischen gueter werden 1537 genannt

Am Bohnstengel-gewende

   

(Vor der Brücke)

Vär där Brick

 

Die Deichwiese

Diechwessen

diese Flur wurde nach 1850 bebaut und die dortige Straße trägt den gleichen Namen, Flurname kommt von den dort befindlichen Fischteichen (Dychwiese)

Der Eisberg oder das Eisfeld

Des Ihsfäld

1559 meldet der Vogt von Friedewald den Wildschaden durch Wölfe im Seulingswald: „2 Hirsche bei Widershussen ufm Eise (heute Eisberg oder Eisfeld) umbkommen“

An der Eichluden

Eichlieden

siehe auch unter Liedenrain, „Lied“ entspricht einem Abhang d.h. einer Berg- und Hanglage in Hessen; „Unterm Hornsberg liegt die Eichliede, auf der sich der Grenzstein befindet der Thüringen von Hessen trennt“

Der breite Graben, Der kleine Graben

   

Grebenbäumchen

   

Auf der Heer, Hinter der Heer, (Heergraben)

Heergraben

 

Über der Heinerbrücke

Zipfen

 

Der Heinzes Berg

Heinrich’s Berg

 

Auf dem Herrholz

   

Im Hittgersloch

Im Hettjesloch

 

Unter der Hornkuppe

Inger dä Hönnskupp

Flurname abgeleitet von der Burg Hornsberg, Im Hornskupper Loch wurden Reste einer Wüstung gefunden (K. Sippel) die mit Sicherheit zum Besitz derer von Hornsberg gehörte

In der Igelsburg

 

Es gibt Hinweise auf eine Igelsburg in der Dippacher Flur

   

Der Igelsdorfer Rain (Igelsdorfer Wäldchen), 1432 wird eine Wüstung Egelsdorf und 1438 eine Wüstung Ygelsdorff im Pfaffenthal (Taleinschnitt neben Igelsdorfer Wäldchen) genannt, die Gemarkung von Igelsdorf wurde 1553 von Widdershausen und Leimbach bestellt. In der Schleensteinschen Karte von 1705 ist ein Igelsborn eingezeichnet. Die Widdershäuser Landwirte haben das Pachtgeld für ihre Felder im Pfaffental noch an die Heringer Kirchengemeinde abgeführt.

     
     
     
     
     
     
     

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