Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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FW-Nordbahn

Eisenbahn

Der Bau der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn 1845-1849

Eine Wohltat für die Menschheit, jubelten die einen- ein Teufelswerk warnten die anderen, als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Europa mit Eisenbahnlinien überzogen wurde. Auch der Kasseler Kurfürst wollte seine Residenz dem Fortschritt erschließen und ließ von 1845 bis 1849 quer durch Kurhessen eine Bahnlinie legen. Anders als die modernen Trassen aber, die schnurgerade Berg und Tal durchschneiden, folgten die Schienen früher beschaulich dem Lauf der Flüsse und Täler. Längst sind Teile der historischen Strecke stillgelegt, andere zu modernem Gleisverkehr ausgebaut.

Am 01.07.1845 begannen bei Guxhagen im Raum Kassel die Bauarbeiten für die erste Kurhessische Eisenbahn. Die Bahnstrecke wurde als "Friedrich-Wilhelm-Nordbahn" bezeichnet, weil der Kurprinz Friedrich Wilhelm die Konzession zum Bau der Bahn im Jahre 1844 erteilte.

Abb.: Karikatur auf die Gegner des Eisenbahnbaus, 1844, die Abgeordneten Bähr und Ochs aus der kurhessischen Ständeversammlung warnten vor den Kosten und Gefahren des Eisenbahnbaus

Ein wichtiger Tag in unserer Geschichte ist deshalb der 25. Januar 1849, als zum ersten Mal ein Zug der Hessischen Eisenbahn von Kassel über Bebra, Hönebach, Obersuhl und Gerstungen nach Eisenach. Erst 1866 kam die Linie nach Hersfeld - Fulda - Hanau hinzu.

Im November 1846 kam es beim Eisenbahnbau in Kurhessen zu Gewalttaten. Bei einem Tanz im Dorfwirtshaus zu Hönebach entstand Streit zwischen „einem Hönebacher Einwohner“ und „belgischen Eisenbahnarbeitern“. Nach und nach beteiligten sich viele Dorfbewohner und auch „mehrere deutsche Eisenbahnarbeiter“. Der Streit artete „in einen gröblichen Exzess“ aus, bei dem Fensterscheiben zu Bruch gingen, „und von den Exzedenten auf beiden Seiten mehrere, jedoch einer gefährlich verwundet“ wurden. Als die Ordnungskräfte eintrafen, war wieder alles ruhig. Das Kreisamt Rotenburg , das den Fall untersuchte, beantragte „die Aufstellung einer aus vier Mann – zwei zu Pferd und zwei zu Fuß – bestehenden Gendarmeriesektion zu Hönebach“. Zur Begründung wurde die unkontrollierbare Situation in und um Hönebach angegeben. Bei der Nähe der Landesgrenze, der großen Zahl der fremden Arbeiter, von denen sich zur Zeit etwa 600-700 Mann dort aufhielten, sei „es für den Bürgermeister als Ortspolizeibeamten ganz unmöglich, ... ohne Beistand einer bewaffneten Hilfe unter solchen rohen Massen Exzesse zu verhindern und die Ordnung stets aufrecht zu erhalten“. Die Stimmung wurde als sehr unruhig beschrieben, weil die Bewohner von Hönebach den Bau der Eisenbahn sehr ungern sehen und deshalb auf alle Arbeiter daran, aber namentlich die Belgier, einen, wenn auch unbegründeten Haß geworfen haben und deshalb noch fernere Exzesse nicht unwahrscheinlich sind.

Auch in Hönebach war eine Konstellation aus Tunnelbau, einem belgischem Ingenieur und einem belgischem Unternehmer gegeben. Die Gründe für den Widerstand der Ortsbevölkerung gegen den Eisenbahnbau müssen nicht so sehr im Tunnelbau ge­sehen werden, als vielmehr in der noch nicht erfolgten Auszahlung der Entschädigungsgelder für abgetretene Grundstücke.

Ost- und Westportal des Hönebacher Tunnels

Im Krisen- und Hungerjahr 1847 ging die Unruhefrequenz an der Eisenbahn stark zurück. Im April 1848 verschärfte sich auch an der Tunnelstation bei Hönebach die Lage. Der belgische Bauunternehmer Gottard berichtete von einer bedenklichen Stimmung unter den Eisenbahnarbeiten seiner Sektion, die jeden Tag „in bedrohliche Exzesse“ ausarten konnte. Durch Lohnerhöhungen war es dem belgischen Unternehmer Gottard bisher gelungen, die Arbeiter ruhig zu halten. Angesichts von Drohungen „gegen die Fremden“ und der Furcht vor einem Anschlag auf seine Kasse erwog er bewaffnete Abwehrmaß­nahmen gegen etwaige Angriffe. Den Hintergrund dieser Befürchtungen Gottards bildeten Vorfälle, die sich anläßlich eines Zahltages am 8.4.1848 ereignet hatten. Unzufrieden mit den unterschiedlichen Lohnzahlungen für fremde u. inländische Arbeiter drangen 30-40 Mann in das Baubüro ein „und forderten in drohender Weise Erhöhungen ihres Lohnes“. Die Anwesenheit des Ortsbürgermeisters und zweier Gendarmen beruhigte die Gemüter aber rasch wieder. Drei der Arbeiter, die einen Schachtmeister tätlich angegriffen hatten, wurden entlassen. Das zuständige Kreisamt Rotenburg ordnete die „Ruhestörung zu Hönebach“ als harmlos ein. Dennoch schlug das Kreisamt Rotenburg eine Verstärkung der Gendarmerie vor, damit bei jedem Zahltag Polizeikräfte präsent sein konnten.

Erste Eisenbahn in Rotenburg an der Fulda 1850

Quelle: Ludwig Brake, Die ersten Eisenbahnen in Hessen, Eisenbahnpolitik und Eisenbahnbau in Frankfurt, Hessen-Darmstadt, Kurhessen und Nassau bis 1866, Selbstverlag der Historischen Kommission für Nassau, Wiesbaden 1991

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