Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

Suche auf Website

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


Hausnamen

Gemeinde

Hausnamen (Dorfnamen) in Widdershausen

Wie in vielen Dörfern in Hessen haben auch die Widdershäuser ihre Mitmenschen zusätzlich zu deren Vor- und Familiennamen mit sogenannten Haus- oder Annamen bedacht. Nur selten geschah dies aus spaßhaften Gründen, sondern meist stand die Notwendigkeit dahinter, häufig auftretende Familienamen durch unterschiedliche Beinamen zu unterscheiden, wie auch die Familiennamen ursprünglich dazu dienten, die Träger von mehrfach vorkommenden Taufnamen auseinander zuhalten.
Die Hausnamen waren früher ein notwendiges und pragmatisch angewandtes Mittel, um Leute zu unterscheiden. Denn in der Wahl der Vornamen war man sehr konservativ.

Maria Kerth (1924-2013) aus Heringen über Widdershäuser Hundsfresser

Maria Kerth (1924-2013) Heringen über Widdershäuser Hausnamen

Von Hausnamen im engeren Sinne kann gesprochen werden, wenn eine Familie ausstarb oder den Ort verließ und der Name auf die neuen Bewohner des Hauses übertragen wurde oder wenn sie auf besondere Kennzeichen des Grundstücks hinweisen (z.B. "Brick", "Ecker", "Koulan", "Locher", "Strosser" und "Bönnschnierer").

Am häufigsten wurden Hausnamen von Vornamen (z.B. "Marien", "Schorschens", "Hilde", "Kedden"), Familiennamen (z.B. "Metzings") und Berufen ("Ammen", "Flieger", "Schmeeds", "Scheffers", "Soatlersch") abgeleitet.

Da die Hausnamen mündlich überliefert wurden, ist die Schreibweise nicht immer eindeutig. Der Hausname wird dem Vornamen vorangestellt. Wir haben jedoch versucht eine Schreibweise zu wählen, die der Aussprache am nächsten kommt.
Manche Namen werden nur mit einer bestimmten Person verwendet. In diesem Fall ist der Name der Person angeführt.
Obwohl es heißt, den Hausnamen erhielte einer nach dem Haus, in dem er lebt, ist dieses Prinzip nicht streng durchgehalten. Manchmal nimmt einer seinen Hausnamen mit, wenn er z.B. wegen Heirat, im Dorf umzieht.

Hausnamen sind unbeständig: ständig geraten neue in Gebrauch und alte in Vergessenheit. Manchen Hausnamen sieht man ihre Entstehung noch an, vielen nicht. Um dies verstehen zu können, müssen wir uns in die Vergangenheit zurückbegeben, als es noch viele Handwerker in den Dörfern gab. Man benötigte sie einfach; heute muss man nur noch in die nächst größere Stadt fahren, um seinen Bedarf an Lebensmitteln und sonstigen Dingen zu decken.
Früher fand man fast in jeder Gemeinde einen Schreiner, einen Schmied, einen Wagner und einen Zimmermann, usw. Mit den Jahren setzte sich dieser Hausname durch, alle bezeichneten die Leute nach den handwerklichen Arbeiten, die sie verrichteten. Dieser Beruf oder auch das Handwerk, das in einem Haus verrichtet wurde, gaben ihm seinen Namen.

In jedem Dorf existieren heute noch immer diese Namen, egal seit wie vielen Jahren der Beruf, der dem Haus seinem Titel gegeben hat, nicht mehr dort verrichtet wird. Die meisten Häuser behalten ihren Namen für immer in der Dorfsprache.
Wenn zum Beispiel eine andere Familie in ein solches Haus einzieht, übernimmt sie in der Dorfsprache den Namen des Hauses.

"Ammen", Ammen Kurt, Kurt Mötzing, Ölberg, Hausname stammt von der Widdershäuser Hebamme Anna Mötzing ab, die ab 1910 diesen Dienst in Widdershausen versah

"Antins", Hans, Grabenstr. (Schinggraben)

"Beetjes", Ernst Trautvetter, Am Roten Stein 6

"Bartschnieders", Fritz Apel, Werrastr. 8, vielleicht hatte dieser Schneider einen Bart oder er war der Haar- und Bartschneider (Dorf-Friseur)

"Bornschnieders", Karl Winter vormals Elisabeth Schneider und George Trieschmann, Bornbergstr. 5, ehemaliges Haus an den Bahnschienen, jetzt Maschinenschuppen von Hans Ruch, der Name wird abgeleitet von den Schneiders beim Born (Brunnen)

"Brack'sch", Werner Ißleib, Sportplatzstr. 6, ehemals Hauptstr. jetzt Felsenstraße,
Alter Widdershäuser Familienname z.B. Daniel Brack T1753 in Widdershausen, war mit dem Hersfelder Regiment Prinz Carl in Amerika

"Brick" Hans, Karl und Hans Ruch, jetzt "Lehne" Hans, Felsenstr. 10, der Name wird vom Hof an der Werrabrücke abgeleitet

"Brickengässer", Georg und Kurt Trieschmann, Brückengasse 3
Die Bewohner des Hauses an der "Brücke" oder der "Furt". Dieser Name könnte darauf hinweisen, daß dieses Haus (oder das alte Haus auf diesem Grundstück) früher der "alten" Werrafurt oder Werrabrücke am nächsten stand.

"Brüdersch", Eitzert

"Bürgermeisters", Karl Trieschmann und Elisabeth Schneider, Ortwin Diegel, Werrastraße 1, diese Familie stellte einen oder mehrere Widdershäuser Bürgermeister z.B. während der Flurzusammenlegung um die Jahrhundertwende

"Christins" Will, Willi Eitzeroth, Ölbergstrasse 15

"Deiserroths", Fritz und Marie Fröhlich ehemals Trieschmann, Brunnenstr. 5,
Alter Widdershäuser Familienname, geht auf Lorenz Deisenroth (Deysenrodt) zurück, er bewirtschaftete 1579 die Widdershäuser Mühle und wird im selben Jahr als zugezogen genannt

"Dickenahms", auf dem Berg, Ecke ?

"Thräns", Adam und Armin Schad, früher Thrän, ehemaliger Hof an der Felswand zw. dem Anwesen Weber und Bergmann

"Ecker", Heinrich Haas, Kirchplatz, ("Am Säukäbbel")
Die Lage dieses Anwesens auf dem Kirchberg in der Ecke führte wahrscheinlich zu diesem Hausnamen.

"Ecker Dicker", der "Dicke" aus der "Ecke" hat bei Kemels reingeheiratet

"Faltens", Adam Trieschmann, Felsenstr. früher Hauptstr., jetzt Sparmarkt von Lothar Jakob, wird bei Hausnamen sehr oft auf den Vornamen Valentin abgeleitet

"Flieger", Fritz Ruch, ehemaliges Sägewerk-Zimmerei, An der Brücke 1,
der Name wird von Konrad Ruch abgeleitet (Vater von Fritz Ruch), dieser landete vor dem 1. Weltkrieg mit einem Jagdfluzeug in den Auwiesen

"Gansen", "Mous-Lieschen", jetzt Taubert, Felsenstrasse 4

"Gardisten", Anton Österreicher ehemals Johannes Schäfer, Brückengasse 1
Ein Schäfer stammt aus dem Hof Trieschmann unterhalb der Kirche, jetzt Anwesen Reinhold Heidel, Felsenstr. 33, die Bewohner dieses Hauses trugen den Hausnamen Gardisten, abgeleitet von einem Trieschmann der in einem "Garde-Regiment" diente

"Hallaxs" Häns, Hans Schneider, Werrastr. 14, "Hallaks Heinchen" Heinrich Schneider, Schreiner

"Hallaxs" Konrod, Adam Schneider, Werrastr. XXXX, jetzt Deichwiese 12

"Handalle", Erich Eitzert, ehemaliges Haus in der Dankmarshäuser Straße (jetzt Spielplatz Auweg), in Widdershausen negativ besetzter Hausname (Schimpfname) für eine soziale Randgruppe. In Heimboldshausen wird dieser Name von einem Johann Tillmann ("Hann-Dell") abgeleitet, in Widdershausen evtl. von "Handel" mit Körben und Besen

"Hanjots" Marie, Maria Trieschmann, Ölbergstr. 24 und Karl Schneider, Auweg 1

"Heinrichs", Konrad Trieschmann, Werrastraße 6

"Hilde", Hilde Schorsch, Georg Schneider, Am Berg

"Horen", Adam und Kurt Haas, Ölbergstr. 41 ehemals Brunnenstraße

"Kedden", Kedden, Fritz Trieschmann, Werrastraße 22
Der Name geht auf eine Katherina (Käthe) zurück. Weibliche Vornamen als Ursprung für Annamen sind selten. Stammhaus war ehemaliges Anwesen von Max Klinz (Kedden Änne) in der Hauptstr. jetzt Felsenstr. gegenüber Kaufhaus Budesheim.

"Kemels", Konrad und Willi Trieschmann, Deichwiese 1,
ehemaliger Hof "an der Felswand" jetzt Brunnenstraße 26 Familie Fritsch, von Familiennamen "Kümmel" aus Gospenroda

"Kispers", Elisabeth Schäfer, Werrastraße 18,
der Anname stammt aus Dankmarshausen

"Koulan", Erich und Jürgen Mötzing, Brückengasse 4
Dieser Anname wird abgeleitet vom Familiennamen Kohlhaas, dem Urgroßvater von Erich Mötzing. In Heimboldshausen wird "Koulan" darauf zurückgeführt, daß das Anwesen tiefer lag als das der Nachbarn, in einer "Kuhle". Dies wird dadurch bestätigt, daß im Hof und Keller das Wasser besonders hartnäckig stand, wenn die Werra über die Ufer trat.

"Lehne", (Antins) Fritz, Bornstr. 3, jetzt Palik

"Locher", Hans Ruch, Bornbergstraße 3
Hinweis auf das Anwesen "im Loch".

"LPG-Hans", Hans Schäfer aus Dankmarshausen lebte nach der Flucht aus der "Zone" fast 30 Jahre als Junggeselle in Widdershausen

"Marien", Marien Karl, Werrastr. 5, Hausnummer überprüfen

"Marillern", Georg, Brunnenstr. 24, abgeleitet von Maria Elisabeth Großvater von Georg

"Mell", kommt von "Mühle", Georg Schimmelpfennig, *1900 "Mell-Georg", Werrastr. 11, letzter Inhaber der Werramühle bzw. der Zentrale in Widdershausen

"Mellahms", Heinrich Koch, ehemals Nikolaus Trieschmann, Brückengasse 2,
Dieser Anname ist sehr alt, da er auf die Abstammung der Bewohner aus der alten Werramühle in Widdershausen hinweist (Hinweis von Georg Schimmelpfennig "Mell-Georg" des letzten Inhabers der Werramühle bzw. der Zentrale).
Erbauer des Fachwerkhauses in der Brückengasse waren Johannes Georg Schimmelpfennig *1822 und seine Frau Elisabeth Ruch *1818

"Mellheinen", Walter Schimmelpfennig, Dankmarshäuser Str. 44,
Der Anname geht auf Johannes Heinrich Schimmelpfennig à1869 zurück "Heinrich aus der Mühle", sein Vater Johannes Georg Schimelpfennig à1823 war Müller und Landwirt in Widdershausen

"Metzger", Metzger Schorsch, Landarzt Georg Schneider, der Sohn vom Metzger Schneider heute Mäder

"Metzings", Hans und Anna Ruch geb. Mötzing, Hauptstr. 23, früher Haus unter der Felswand, jetzt Kurt und Helga Buch, Inselweg 5

"Mous", Moos Lieschen, jetzt Gerhard Taubert, Felsenstr. 4

"Rouchen", Georg Thenert, Am Leimen 23, ehemals Hauptstraße an der Linde,
dieser Anname geht vermutlich auf den Familiennamen Ruch zurück

"Sattlersch", Heinrich Eitzeroth, ehemaliges Anwesen unter der Felswand jetzt Felsenstr.

"Schaum", Heinrich Knaut, Frisörladen

"Scheffers", Heinrich und Margret Schad geb. Schimmelpfennig, Werrastraße 2, "Scheffers-Mahle" Amalie Schimmelpfennig geb. Zinn,
Dieser Anname wurde vom Familiennamen Schäfer und seit Urzeiten von gleichnamigen Beruf geprägt

"Schlesser" Hänschen, Georg Schneider, Brunnenstr. 7,
Neuerer Anname vom Beruf Schlosser abgeleitet?

"Schlich" Hans, Siegfried Oestreich, Werrastr. 16, von Herumschleichen oder Schleichhandel, z.B. in der Dankmarshäuser Chronik beschrieben

"Schmeeds", Hans Thenert, Werrastraße 3
In dieser Familie hatte das Schmiedehandwerk eine lange Tradition.

"Schorschens", Georg Schneider, Felsenstr. 55

"Schüchards", Georg Volkenand, Bornbergstr. 4
Alter Widdershäuser Familienname, Konrad Schuchhard, (Grenadier), T1750 in Widdershausen, war mit der 3. Kompanie des Garnison-Regt.v.Stein/v.Seitz in Amerika

"Schull-Frieden", Martha, Kurt Ruch, Dankmarshäuser Str. 9, vom Friedrich bei der Schule abgeleitet

"Schulzen", Georg und Horst Volkenand, Werrastr. 4
Vermutlich Hinweis auf einen Dorfschulzen aus diesem Anwesen.

"Schusterhänsen", Otto Ruch, Hersfelder Str. 19 oder 21, hier wohnte Schusters Hans

"Schwins", Kurt Trieschmann, Dankmarshäuser Str. 10, Schwänzchen von Schweinehändler

"Schwötz Schriener", Kurt Peter, Bornbergstr. 13, der schwarze Schreiner evtl. Verballhornung des Sargschreiners

"Sielings", Heinrich Sieling

"Stall", Hans, Karl Ruch, Felsenstr. 16, früher Köhler, jetzt Anni Höhn

"Steffens", Hilde und Margit Stephan, ehemals Hauptstraße jetzt Felsenstr. 29

"Steffs", Friedrich ? Eitzeroth, ehemaliges Anwesen unter der Felswand, Scheune auf Werraseite noch vorhanden

"Strosser", Strosser Hermen, Gerhard Rudolph, Dankmarshäuser Str. 8, Hermann aus dem Haus an der (neuen) Strasse

"Strosser Schnierer", Elisabeth Reichhard, Dankmarshäuser Str.13, der Schneider an der Strasse

"Süsahns", Sühsahns Jakob, Schneider, Ölbergstraße früher an der Kirche, süsse Sahne wurde wahrscheinlich im Laden an der Kirche verkauft

"Tiefnersch", Budesheims Willi, früher Ruch ausgesiedelt nach Romrode

"Wehner Hänsen", Karl Zimmermann, Werrastrasse, abgeleitet vom Wagner oder Stellmacher

"Wennersch", "Wennersch Will", Erich Ruch, Werrastrasse, weist auf den Namen der Familie Werner hin
"Westermanns", Adam Westermann, Felsenstr. 14

"Wetz", Gaststätte zur Krone, Heinz Führer, Felsenstr. 18
Der Anname weist auf das noch vorhandene Wirtshaus hin, "Wetz-Kölln-Jeorg"

"Winnen", Volkenand

"Zinnhansen", Hans Ruch, Kiesgrube 8

Homepage | Aktuell | Gemeinde | Dorfleben | Einwohner | Landwirtschaft | Schule | Kirche | Vereine | Bergbau | Erdbeben | Eisenbahn | Werra | Zonengrenze | Jagd | Burg Hornsberg | Sagen | Mittelalter | Landkarten | Kriege | Literatur | Gästebuch | Kontakt | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü