Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Mühlen

Werra

Geschichte der Mühlen

Bereits gegen Ende der Jungsteinzeit ca. 2000 v. Chr. erforderte der schon damals hoch entwickelte Ackerbau eine geeignete Technik, um die Körnerernte aus den damaligen Getreidearten zu Schrot weiterzuverarbeiten. In Gebrauch waren verschiedene Arten von Handmühlen und Reibesteinen sowie in keltischer Zeit Schwenkmühlen, die bereits aus einem achsenzentrierten Boden- und Läuferstein bestanden und von Hand gedreht wurden.
Um die Zeitenwende eroberten römische Kohorten die keltisch-germanischen Gebiete links und rechts des Rheins. Die Besatzer brachten nicht nur den Weinbau mit in die Pfalz, sondern auch das gesamte technische Wissen der damaligen Zeit. Dazu gehörte auch eine weiterentwickelte Mühlentechnik, welche sich später mit der von hier ausgehenden Christianisierung über ganz Deutschland ausbreitete.
Die große Neuerung bestand darin, mit Hilfe von Wasserrad und geeigneter Kraftübertragung auf die Mahlsteine den Energieträger Wasser so zu nutzen, daß die Knochenarbeit des Handmühlenbetriebs überflüssig wurde. Damit konnte auch dem Nahrungsbedarf der ständig wachsenden Bevölkerung besser entsprochen werden.
Sehr schnell entwickelten sich zur Römerzeit außer den Getreidemühlen auch Wassertriebwerke zum Sägen von Holz und wahrscheinlich auch solche zum Mahlen und Stampfen von Ölfrüchten.
In späteren Zeiten baute man Schleifmühlen zum Schärfen der Werkzeuge und landwirtschaftlichen Geräte, Walkmühlen zur Gewinnung von wetterfesten Lodenstoffen, Hanfreiben zur Herstellung von Seilen, Lohstampfen zur Zerkleinerung der bei der Ledergerbung benötigten Eichenrinde. So entwickelten sich durch die Jahrhunderte immer mehr Mühlentypen.

Heringen alte Werramühle 1924

Viele Klöster nahmen das Wasserrecht für sich in Anspruch und verlangten von den Mühlenbesitzern Abgaben als Wasserpacht. Ebenso erhoben auch die weltlichen Herrschaften Grundsteuer, u. a. in Form von Naturalabgaben. So mußten viele Müller ein oder mehrere Schweine und Ochsen mästen, außerdem Geld- und Getreideabgaben leisten. Bauern, welche herrschaftliche Äcker in Erbbestand (gepachtet) hatten, waren gebannt (verpflichtet), das dort geerntete Getreide in den der Herrschaft eigenen Bann- und Backmühlen mahlen und auch dort ihr Brot backen zu lassen. Als Backlohn durften die Müller zwischen 9 und 12 Prozent des Mahlgutes einbehalten und als Handelsmehl wieder weiterverkaufen.
In der Pfalz hatten wir vor 150 Jahren nach Angaben des bekannten Mühlenforschers F. WEBER rund 730 Wassermühlen mit 1751 Mahlgängen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung ein Mühlensterben ein, das sich bis 1970 fortsetzte. Der Energieträger Wasser, abhängig von Jahreszeit und Niederschlägen, wurde weitgehend ersetzt durch Dampf-, Diesel- und Elektroenergie. Dem Verdrängungswettbewerb fielen die meisten der kleinen Mühlen zum Opfer. Heute werden die großen Mengen Getreide, die der moderne Ackerbau ermöglicht, in Großmühlen zu vielfältigen Produkten verarbeitet. Damit ist eine fast zweitausend Jahre alte ländlich-bäuerliche Tradition untergegangen.
Manche der ehemaligen Mühlengebäude sind heute privat genutzt und liebevoll restauriert. Lassen wir auch die Erinnerung an die Müller nicht verloren gehen, wie sie oft weitab von dörflichen Ansiedlungen, ein eigenbrötlerisches Dasein führten zwischen harter Arbeit und abgeschiedener Nachdenklichkeit, oft heimgesucht von Schicksalsschlägen und Naturkatastrophen, raubendem und plünderndem Kriegsvolk, Eisgang, Hochwasser und Feuersbrunst. Häufig haben Müller ihre Hauschroniken geführt und der Nachwelt manches überliefert an geschichtlichem Geistesgut.

Heringen neue Werramühle 1927

Strom aus dem Fluss
Hersfelder Zeitung vom 17.11.2009
Firma Renertec plant die Modernisierung des Wasserkraftwerks Werramühle

Auch in Zukunft Lieferant für umweltfreundlichen Strom: Das Wasserkraftwerk Werramühle in Heringen, vor über 80 Jahren für die Mehlproduktion gebaut. Die jetzige Turbine läuft seit 1957. Foto: z

Heringen. Eine umfassende Modernisierung des Wasserkraftwerks Werramühle in Heringen, das seit dem Jahresende 2007 von der Firma Renertec GmbH in Brachttal bei Wächtersbach betrieben wird, ist geplant.

Das Kraftwerk, das ehemals zur Energieversorgung der direkt angebundenen Getreidemühle konzipiert worden war, verrichtet in der jetzigen Ausbaustufe seit mehr als 50 Jahren ununterbrochen seinen Dienst. Die vom Werrawasser angetriebene Turbine produziert umweltfreundlich pro Jahr 1,6 Millionen Kilowatt, genug Energie für umgerechnet einhundert Durchschnittshaushalte.
Das Ingenieurbüro Renertec konzipiert und betreibt europaweit regenerative Energieerzeugungsanlagen. Allein in Hessen gehören ihm vier Wasserkraftanlagen.

Im Sommer dieses Jahres hat Renertec drei dieser vier Wasserkraftanlagen auf den modernsten ökologischen Stand nachgerüstet, der der aktuellen EU-Wasserrahmenrichtlinie entspricht. So wurden unter anderem Fischtreppen neben die Wehre gebaut. Nach dieser Modernisierung wurde eine dieser drei Anlagen vom Regierungspräsidium Darmstadt zu einem hessenweiten Referenzobjekt für eine ökologisch beispielhafte Nutzung der Wasserkraft zur Stromerzeugung erklärt.
Auch am Wasserkraftwerk Werramühle soll eine Fischtreppe gemäß den neuesten Naturschutzrichtlinien gebaut sowie die Turbinenanlage auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden. Damit wird dann ein weiterer Betrieb des Kraftwerks für die nächsten 60 bis 80 Jahre - die übliche Lebensdauer solcher Anlagen - gewährleistet sein.

Das Genehmigungsverfahren wird sich aber voraussichtlich noch etwa eineinhalb Jahre hinziehen. Deshalb wird kurzfristig die bestehende alte Wasserkraftanlage bis zur Modernisierung durch kleinere technische Eingriffe optimiert. Dies betrifft unter anderem die Verwendung von umweltfreundlichen Schmierstoffen. Damit möchte Renertec gewährleisten, dass in Heringen weiterhin umweltfreundlicher Strom erzeugt wird. (red/z)

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