Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Nikolaus Trieschmann

Kriege > 1. Weltkrieg

Militärdienst in Berlin und Kriegsbeginn:

Nikolaus Trieschmann aus Widdershausen tritt am 14.10.1913 als Ersatz-Rekrut in der 10. Kompanie des 2. Garde-Infanterie-Regiments zu Fuß in Berlin sein Militärdienst an. Die Kaserne befand sich in der Friedrichstraße in Berlin.

Der Zugführer in der 10. Kompanie (Ausbildungskompanie) war Unteroffizier Witkoschicky. Der Zug besteht aus den Rekruten Taschner, Grimm, Schild, Wisch, Krohn, Hauschild, Eggert, Pilz, Bornewasser, Prinz, Warnecke, Westhöfer, Heidrich, Beltzung, Georger, Schröder III, Trieschmann und Klose.

Die Ausbildungsgefreiten sind: Müller, Herzmann und Jansen.


Die Fahne des 2. Garde-Infanterie-Regiments zu Fuß in Berlin.

Ausbildungszug 10. Kompanie 2. Garde-Infanterie-Regiments zu Fuß in Berlin , Nikolaus Trieschmann vorne links liegend

Ein Garderegiment ist ein militärischer Truppenteil, der zur Garde gehört, und dadurch in besonderer Beziehung zum Staatsoberhaupt steht. Im Gegensatz dazu nennt man die übrigen Regimenter, die nicht zur Garde sondern zur sog. "Linie" zählen, Linienregimenter.
Ein Regiment besteht bei der Infanterie zumeist aus mehreren Bataillonen.

  • Garde-Regimenter zu Fuß
  • 1. Garde-Regiment zu Fuß in Potsdam
  • 2. Garde-Regiment zu Fuß in Berlin
  • 3. Garde-Regiment zu Fuß in Berlin
  • 4. Garde-Regiment zu Fuß in Berlin
  • 5. Garde-Regiment zu Fuß in Spandau

Kaserne des 2. Garde-Infanterie-Regiments zu Fuß in Berlin, Rekrutenausbildung von Nikolaus Trieschmann in der 10. Kompanie

Das 2. Garde-Reserve Regiment war ein (Kriegs-)Regiment des Gardekorps (zuerst aus hauptsächlich Reservisten des 2. Garde Regiments zu Fuß). Es gehörte zur 1. Garde Reserve-Brigade (1914-1918) und mit diesem zur 1. Garde-Reserve-Division. Es lag zuerst im Westen (Eroberung von Namur) und wurde dann von Ende August 1914 bis Oktober 1915 im Osten eingesetzt (Schlacht an den Masurischen Seen, Schlacht bei Narew, bei Ostrow an der Bersina. Der Gefechtskalender der Division enthält für diesen Zeitraum 45 Positionen). Ab Ende 1915 lag es dann im Westen (Flandern, Somme, Siegfriedfront, Wytschaete, Große Schlacht in Frankreich, Arras, französisch Flandern, Ypern, Cambrai, Hermannstellung, Antwerpen-Maas-Stellung).

Erstes Garde Regiment zu Fuß. Kriegstagebüchern

Quelle: Erstes Garde Regiment zu Fuß. den amtlichen Kriegstagebüchern und persönlichen Aufzeichnungen bearbeitet von Eitel Friedrich Prinz von Preußen, Königlich Preußischer Generalmajor a.D. Kommandeur des Regiments.Mit 12 Karten und 53 Abbildungen, Berlin 1922

Feldgottesdienst am 09.08.1914 auf dem Lustgarten, vorne die Kaiserliche Familie

"Ich erwarte von meinem Ersten Garderegiment und Meiner Garde, daß sie ihrer glorreichen Geschichte ein neues Ruhmesblatt hinzufügen werden."
Wilhelm II. am 9. August 1914 bei der Verabschiedung des Ersten Garderegiments zu Fuß

Am 01.08.1914 machte also wie erwähnt das deutsche Reich mobil. Für das Erste Garderegiment zu Fuß wurde dabei der 02.08.1914 angesetzt. Neben der Mobilisierung und Aufstellung der Ersatzbataillone (je eines für das Erste Garderegiment zu Fuß und für das 1. Garde-Reserve-Regiment) wurde auch das 1. Garde-Reserve-Regiment aufgestellt, meist aus Reservisten und älteren Jahrgängen des aktiven Regimentes. Die Regimenter wurden zu drei Bataillonen und einer Maschinengewehrkompagnie aufgestellt, die Ersatzbataillone zu vier Kompagnien und einem Rekrutendepot. Die drei jüngsten Jahrgänge der Reserve dienten zur Auffüllung des aktiven Regimentes, die beiden ältesten Jahrgänge der Reserve und die jüngeren Landwehrleute kamen dagegen in das Reserve-Regiment. "Die ältesten Landwehrleute traten zu den Ersatzbataillonen. Zahlreiche aktive Offiziere und Unteroffiziere wurden dem Reserve-Regiment zugewiesen, während Reserveoffiziere auf beide Regimenter verteilt wurden. Das aktive und das Reserve-Regiment mußten am 8. Mobilmachungstag (Sonntag, den 9. August, 8 Uhr abends) mobil sein, die 3. und 4. Kompanie des Ersatzbataillons am 10. Mobilmachungstag abends." (aus der Regimentsgeschichte) Die Uniformierung beider Regimenter war identisch. Die Mobilmachung verlief reibungslos.

Derweil übergab in Potsdam General Friedrich von Friedeburg, der das Erste Garderegiment zu Fuß die letzten Vorkriegsjahre über geführt hatte, am 01.08.1914 an Eitel Friedrich Prinz von Preußen. Dazu ließ er das Regiment um 20:00 Uhr im Ordonnanzanzug auf dem Kasernenhof antreten. Er dankte allen Dienstgraden für die getane gute Friedensarbeit und wandte sich dann dem neuen Kommandeur zu und übergab diesem das stolze Regiment. Daß ein Sohn des Kaisers das Erste Garderegiment zu Fuß nun führte, wurde vom Regiment als besonderer Vertrauensbeweis und als Auszeichnung empfunden.

Die kaiserliche Familie verabschiedet das Erste Garderegiment zu Fuß am 09.08.1914

So verabschiedet marschierten die Regimenter zum Bahnhof wo sie unter großer Anteilnahme der Potsdamer Bevölkerung gen Westen verladen wurden. Als erstes rückte das I. Bataillon, das "Semper-talis-Bataillon" zum Abtransport auf den Bahnhof. Dann ging es mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen, geleitet von unzähligen Potsdamern, zum Bahnhof. Dort nahmen die Angehörigen Abschied. Das 1. Garde-Reserve-Regiment wurde Teil der 1. Garde-Reserve-Division und des Garde-Reserve-Corps. Die Wege des Ersten Garderegiments zu Fuß und des 1. Garde-Reserve-Regiments teilten sich nun, viele langjährige Kameraden sollten sich nicht mehr wieder sehen.

Am 25.09.1915 wurde das Regiment alarmiert und wurde nach Douai verbracht. Am 26. und 27. hatte es die zusammengeschossenen Gräben bei Givenchy erreicht und befand sich somit mitten in der 2. Champagneschlacht. Das II. Bataillon (Grenadiere) und das Füsilierbataillon lagen vorne, das I. Bataillon (Grenadiere) in Reserve. In der Nacht wurden fieberhaft die Stellungen ausgebessert und schon im Morgengrauen setzte das gegnerische Trommelfeuer ein, welches den ganzen Tag über anhielt. Unterbrochen wurde es nur von französischen Infanterieangriffen, die teilweise im Nahkampf abgewiesen wurden. Besonders heftig wurde beim Füsilierbataillon gekämpft. Die 9. Kompagnie hatte alleine 28 Tote, die 11. sogar 65 Tote und Verwundete. Als das links stehende 3. Garderegiment zu Fuß wankte, schob man nach und nach die 6. und 8. Kompagnie ein zur Absicherung der eigenen und Rückeroberung der beim Schwesterregiment verloren gegangenen Stellungen. In der Nacht zum 29.09.1915 wurden die Verwundeten geborgen und die Stellungen ausgebessert.

Am 25.06.1916 wurde plötzlich das Artilleriefeuer auf den Regimentsabschnitt heftiger und hielt den Juli über unvermindert an. Am 20.07.1916 wurde das Regiment nach der Somme verlegt, wo derweil die Engländer ihre große Offensive gestartet hatten. Am 23.07. hatte sich das vollständig aufgefrischte und bestens geschulte Regiment komplett aus der Front bei Fresniéres herausgelöst. Die 1.Garde-Infanterie-Division marschierte nach Norden in Richtung Nesle, das Regiment zog in die Stellungen bei Curchy, Dreslincourt und erneuerte diese. Die Division sollte als Eingreifreserve der 35. Infanterie-Division der 2. Armee dienen. Am 03.08. wurde das Regiment nach Peronne versetzt. Nun folgten einige Tage der Übung im Stoßtruppkampf und im Umgang mit Flammenwerfern. Am 11.08.1916 Fand eine große Parade der 1.Garde-Infanterie-Division bei Caulaincourt in Anwesenheit des Kaisers statt. Er hielt eine lange Rede, es wurden Orden verliehen und die weitere Planung besprochen. Major Graf zu Eulenburg-Wicken, Führer des I. Bataillon (Grenadiere), übernahm vertretungsweise für den erkrankten Oberstlt. von Schönstadt die Führung des 3. Garderegiments zu Fuß.

Nikolaus Trieschmann und Kameraden mit schweren Maschinengewehr 1916 in Frankreich

Am Abend des 19.08.1916 wurden die Reste des I. Bataillon (Grenadiere) vom Füsilierbataillon abgelöst. Das Artilleriefeuer hielt die folgenden Tage an, ein kleinerer Infanterieangriff konnte am 20.08. mühelos abgewiesen werden. Am 22. wurde das Füsilierbataillon durch das II. Bataillon (Grenadiere) abgelöst. Am 24. abends gegen 19:00 griff erneut die französische Infanterie an, sie wurde mit Hilfe der MGs und im Gewehrfeuer (stehend, freihändig auf dem Grabenrand!) abgewiesen. In der folgenden Nacht löste wieder das I. Bataillon (Grenadiere) ab. Am 26.08.1916 setzte morgens ab 4:00 starkes Trommelfeuer auf die Grenadiere ein, es folgten ab 6:30 heftige Infanterieangriffe, die die angeschlagenen SEMPER-TALIS-Kompagnien nur unter schweren Verlusten aufhalten konnten. Am 28.08. wurde wieder das Füsilierbataillon in die vorderste Linie gesteckt. Am 29.08. unternahm der Feind erneut einen Angriffsversuch, welcher abgewiesen wurde. Abends wurde dann das II. Bataillon (Grenadiere) in die vorderste Linie gezogen. Am 30.08. wurde endlich das Regiment vom bayer. 1. Reserve-Infanterie-Regiment abgelöst, was am 01.09.1916 abgeschlossen war. Lediglich einige Offiziere, darunter der Regimentsführer Oberstlt. von Bismarck, verblieben in vorderster Linie. Als diese endlich von den Offizieren des frisch eingetroffenen Reserve-Infanterie-Regiment 241 abgelöst wurden und auch das Füsilierbataillon am 07.09. nicht länger die Reserve der 2. Garde-Division bei Bouchavesnes bildete, war der Somme-Einsatz für das Erste Garderegiment zu Fuß vorerst abgeschlossen.

Am 11.09.1916 traf das Regiment im bekannten Abschnitt "Kurmark" bei Candor und Catigny ein und löste dort das Reserve-Infanterie-Regiment 206 ab. Hier herrschte zunächst völlige Kampfpause - Zeit zur Erholung, Auffrischung und Ausbildung für die Truppe. Am 28.09.1916 (dieses Datum stimmt mit dem Militärpass von Nikolaus überein, er wurde an diesem Datum in die 2. MG-Kompanie versetzt) wurde jedem Bataillon eine MG-Kompagnie zugeteilt. Diese wurden nicht in das normale Nummerierungs-Schema eingeordnet, sondern erhielten die Bezeichnung 1. bis 3. MG-Kompagnie. Am 16.10. setzte plötzlich starkes Artilleriefeuer ein und der folgende Infanterieangriff erzielte einen Einbruch bei der 5. Kompagnie, bei dem der Gegner einige Verwundete mitschleppen konnte, trotz des sofortigen Gegenangriffes. Am 27.10. erfolgte ein Patrouillen-Unternehmen des II. Bataillon (Grenadiere). Der eingenommene feindliche Graben war jedoch wider Erwarten leer, so zog man unverrichteter Dinge ab.

Abgesehen von einigen Patrouillen-Unternehmungen - hüben wie drüben zum Einbringen von Gefangenen als "wichtig" betrachtet - wurde es zum Jahresende hin immer ruhiger im Abschnitt des Regimentes. Weihnachten stimmte der Sängerchor der Leibkompagnie im vordersten Graben die "Stille Nacht" an und an diesen Festtagen schwieg sogar die Artillerie.

Am 28. wurde das Regiment aus der Front gelöst und fand sich am 03.11.1916 in vorderster Linie bei Bouvincourt an der Somme wieder. Dort löste es das Regiment 156 ab. Da die Hauptlast der alliierten Angriffe weiter nördlich bei Péronne lag, konnte der Frontabschnitt des Ersten Garderegiment zu Fuß als relativ "ruhig" bezeichnet werden.

Am 11.01.1917 wechselte das Erste Garderegiment zu Fuß seinen Abschnitt mit dem Schwesterregiment, dem 3. Garderegiment zu Fuß. In diesem Abschnitt war es noch ruhiger als im vorigen, so konnte ausgiebig ein kleines Unternehmen mit Namen "Giftpille" an dem auch das 2. und 4. Garderegiment zu Fuß beteiligt war, vorbereitet werden. Ziel des Unternehmens war es, Gefangene einzubringen, zur Feststellung der gegnerischen Stärke. Vom I. Bataillon (Grenadiere) wurden vier Stoßtrupps gebildet. Ab 13:00 setzte das Vorbereitungsfeuer ein, ab 18:30 wurde dies zum Vernichtungsfeuer gesteigert. 18:45 stießen die Stoßtrupps vor und erreichten ohne großen Widerstand die feindlichen Gräben. In den Gräben entwickelte sich jedoch ein heftiger Nahkampf mit englischer Infanterie, welche unbemerkt die bislang in diesem Abschnitt liegenden Franzosen abgelöst hatten. Mit wenigen eigenen Verwundeten und 9 gefangenen Engländern erreichten die Stoßtrupps planmäßig wieder ihre Stellungen.

Nikolaus Trieschmann und Kameraden 1916 in Frankreich

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