Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Peter Michaeli

Einwohner

Pjotr Michailow in Widdershausen (1823-1840)

Napoleons Russlandfeldzug von 1812 endete nach anfänglichen französischen Erfolgen in einer der größten militärischen Katastrophen der Geschichte. Nach der vollständigen Vertreibung der Großen Armee von russischem Territorium mündete der Feldzug Anfang 1813 in eine Kriegsphase, die später als Befreiungskriege (1813 - 1815) bezeichnet wurden.

Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege und Napoleon war gezwungen, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen. Der Rückzug erfolgte über Erfurt, Vacha, Hünfeld und Fulda.
Bereits vom 25. - 26. Oktober hat Gerstungen etwa 3000 Kosaken als Einquartierung.
Die Verbündeten, deren Armeen in mehrere Kolonnen aufgeteilt waren, verfolgten die Franzosen und vom 30. - 31.Oktober 1813 kam es bei Hanau zur letzten Schlacht der Befreiungskriege auf deutschen Boden.
Am 30. März 1814 ziehen die Alliierten in Paris ein und Napoleon muss abdanken.
Nach der bedingungslosen Abdankung Napoleons am 13. April 1814 ziehen sich die alliierten Truppen wieder in ihre Heimatländer zurück.

Ehemalige Häuser Nr. 22 und 23 unter der Widdershäuser Felswand

Beim Rückzug der russischen Truppen von Paris nach Russland ist der Soldat Peter Michaeli (Pjotr Michailow), wahrscheinlich ein Angehöriger eines russischen Kosakenregimentes, welches auch den Rückweg über Hessen nahm, im Altkreis Hersfeld "hängengeblieben".

Peter Michaeli hat sein Regiment verlassen und sich in verschiedenen Dörfern des Altkreises mit niederen Hilfsarbeiten über Wasser gehalten. So hat er neun Jahre von 1814 bis 1823 verbracht, dies war nur möglich, weil er sich nichts zu Schulden hat kommen lassen und er immer kurz vor einer Beschwerde über seine Anwesenheit ein anderes Dorf aufgesucht hat.

1823 taucht Peter Michaeli in Widdershausen auf und lernt Anna Elisabeth Korngiebel kennen. Peter Michaeli hat mit Anna Elisabeth Korngiebel ein uneheliches Kind gezeugt, welches am 02.06.1824 geboren wurde und auf den Namen Anna Margaretha am 08.06.1824 getauft wurde. Patin war Anna Margaretha Stephan, des Zimmermanns George Stephans Tochter. Im Widdershäuser Kirchenbuch befindet sich im Taufeintrag der Hinweis "und angeblich des Schuhflickers Peter Michels uneheliche Tochter".

Leider verstirbt Anna Margaretha Korngiebel bereits nach 5 Monaten am 12.11.1824 im Haus Nr.23 unter der Widdershäuser Felswand. Das Begräbnis findet am 15.11.1824 am Gottesacker hinter der evangelischen Kirche statt.

Im Staatsarchiv in Marburg findet sich der Schriftverkehr des Widdershäuser Ortsvorstandes mit dem Kreisrat Hartert in Hersfeld und dessen Schriftverkehr mit dem kurhessischen Innenministerium in Kassel.

Haus Nr. 23, ehemaliges Wohnhaus von Peter Michaeli

Peter Michaeli hat versucht Anna Elisabeth Korngiebel zu heiraten, die Gemeinde und das soziale Umfeld hat dies aber nicht zugelassen.
Der Gemeindevorstand verweist immer wieder auf die völlig verarmten Bewohner, welche die Gemeinde zu nähren hat und will den "fremden" Kostgänger nicht in der Gemeinde aufnehmen.
Am 05. Januar 1825 entscheidet das kurhessische Innenministerium in Kassel, dass Peter Michaeli der fernere Aufenthalt in Widdershausen auf Wohlverhalten zu gestatten ist.

Peter Michello Reumer?, unverheiratet, Herkunft: Rußland verstirbt am 30.06.1840 in Widdershausen und wird am 02.07.1840 beerdigt. Peter Michaeli hat insgesamt 17 Jahre seines Lebens in Widdershausen als Flickschuster verbracht.

Seine Lebensgefährtin Anna Elisabeth Korngiebel, unverheiratet, Tochter des Johann Konrad Korngiebel und der Anna Gertrud geb. Budesheim verstirbt am 15.05.1847 im Haus Nr.23 (unter der Felswand). Das Begräbnis findet am 18.05.1847 statt.

Schreiben des Kreisrates Hartert an die kurfüstliche Regierung 1824

Auszug aus einem Protokoll des Innenministeriums in Fulda 1825

Auszüge aus den Widdershäuser Kirchenbüchern
(Kirchenbuchauszüge zusammengestellt durch Jörg Deisenroth)

Copulierte 1779 Jan.10. in Haus Nr. 15. "Johann George Korngiebel, weyland Joh. Conrad Korngiebels, Einwohner zu Thalhaußen nachgelassener ehelicher Sohn, mit
Anna Gertrude, Johan Adam Budesheims nachgelassene Tochter."

Stammbaum Korngiebel aus dem Widdershäuser Kirchenbuch

Taufe Nr. 4/1783 *6.4.1783 im Haus Nr.58: Anna Elisabeth Korngiebel, eheliche Tochter des Johann George Korngiebel et ux. Anna Gerdrut geb. Budesheim getauft am 8.4.1783, Patin war Anna Elisabetha, Andreas Bachmanns eheliche Tochter

*2.6.1824 Anna Margaretha Korngiebel, der Anna Elißabetha Korngiebel und angeblich des Schuhflickers Peter Michels uneheliche Tochter getauft am 8.6.1824, Patin war Anna Margaretha Stephan, des Zimmermanns George Stephans Tochter

+5.2.1806 im Haus Nr.23 Anna Gerdrutha Korngiebel, Witwe des Johann George Korbgiebel, geb. Budesheim, 52 J., 10.Mon - 2 Tage Begräbnis am 7.2.1806

+12.11.1824 im Haus Nr.23 Anna Margaretha Korngiebel, uneheliche Tochter der Anna Elisabeth Korngiebel
Begräbnis am 15.11.1824

+30.6.1840 Peter Michello, Reumer? unverheiratet, Herkunft: Rußland Begräbnis am 2.7.1840

+15.5.1847 im Haus Nr.23 Anna Elisabeth Korngiebel, unverheiratet, Tochter des Johann Konrad Korngiebel und der Anna Gertrud geb. Budesheim, Begräbnis am 18.5.1847


Pjotr Michailow wird in den Akten des Kreisamtes und des Innenministeriums immer als der Russe Peter Michaeli bezeichnet. Das dies sein richtiger Name war, ist zu bezweifeln, da er mit hoher Wahrscheinlichkeit von seinem Regiment desertiert ist und in Russland mit Sicherheit die Todesstrafe auf ihn wartete.

Ein sehr bekannter Russe lebte ebenfalls unter dem Pseudonym Pjotr Michailow inkognito fern seiner Heimat.
Von 1697 bis 1698 war Zar Peter I. von Russland zum Teil inkognito als Teil der Großen Gesandtschaft in Europa unterwegs. Der Weg führte ihn über Livland, Kurland, Preußen nach Holland und weiter nach England. Im August 1697 wollte Peter im holländischen Zaandam Erfahrungen im Schiffbau sammeln. Hier studierte er die Konstruktion seegängiger Segler, die er als Modellschiffe kopieren und in Russland später nachbauen ließ.
Nachdem entdeckt wurde, wer da wirklich in Zaandam weilte, war Peter gezwungen, in einer von der Öffentlichkeit abgeschirmten Werft in Amsterdam weiterzuarbeiten.
Dort begann er am 20. August 1697 beim Werftmeister Gerrit Claesz Pool eine Schiffs-Zimmermannslehre in der Werft der Ostindischen Kompanie in Krummendijk.
Hier arbeitete Peter am Bau der Fregatte "Peter und Paul" und erhielt von Pool ein glänzendes Zeugnis auf den Namen Pjotr Michailow.

Quellen:

Kirchenbücher Widdershausen

Hessisches Staatsarchiv Marburg (HStAM)
Kurhessische Regierung Fulda, Best. 100 Nr. 5458
Aufenthalt des Russen Peter Michaeli zu Widdershausen
[und Aufnahme gegen Entrichtung des Einzugsgeldes]

Schreiben des Kreisrates Karl hartert an die Kurfürstliche regierung in Kassel 1824

Schreiben des Kreisrates Karl hartert an die Kurfürstliche regierung in Kassel 1824

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