Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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POW Camp Stobs

Kriege > 1. Weltkrieg

POW Camp Stobs near Hawick/Scotland
Das zentrale schottische Internierungslager Stobs bei Hawick in Südschottland wurde im November 1914 eingerichtet und sollte mit einer geplanten Kapazität von 12.000 eines der größten Großbritanniens werden. Letztlich wurden jedoch nur maximal 4.500 untergebracht. Die gesamte Anlage war von Stacheldrahtzaun umgeben und nachts beleuchtet. Die 2.377 Internierten im Juni 1915 setzten sich zusammen aus 1.098 Zivilisten, 783 Soldaten und 496 Matrosen.

Abb.: POW Camp Stobs WWI Hüttenlager 1917

Das Lager war in die Camps A und B (Zivilisten) sowie die Camps C und D (Soldaten) eingeteilt. Jedes Camp bestand aus 40 Wohnhütten, 6 mal 36 Meter, mit durchschnittlich 33 Insassen. Badehäuser mit Warmwasserversorgung standen zur Verfügung.
Die Hütten 1-20 in Camp A waren belegt mit Deutschen aus London, Middlesbrough, Glasgow Edinburgh und von Schiffen genommenen Zivilisten. Der Abteilungsälteste (Chief Captain) war A. Winter aus Hütte 7. Die Hütten 21 bis 40 waren belegt mit Leuten aus Manchester und Liverpool, Abteilungsältester war hier Dr. chem. Marle aus Hütte 40.Jede Hütte hatte auch einen Stubenältesten.

Abb.: POW Camp Stobs WWI Stacheldrahtzaun 1917

Ein aus Insassen zusammengesetzter Lagergerichtsausschuss (Board of Justice) schlichtete kleinere Streitigkeiten unter den Gefangenen. In den Abteilungsküchen und der Backstube arbeiteten nur deutsche Köche und Bäcker.

Am südlichen Ende des Lagers befand sich ein Feldkrankenhaus. Unter der Leitung eines britischen Militärarztes arbeiteten dort auch zwei internierte deutsche Ärzte und mehrere deutsche Pfleger. Außerhalb des Lagers wurde ein kleiner Friedhof eingerichtet, auf dem im Laufe der Zeit 36 Soldaten und sechs Zivilisten begraben wurden. Einer von ihnen war Wilhelm Klein, ein 37-jähriger Friseur, der aus Südengland nach Stobs gebracht worden war. Am 19. September 1915 fand man Karl Klein erhängt am Fenster im Feldkrankenhaus. Er gehörte zu den Seeleuten, die beim Untergang des Panzerkreuzers Blücher in Gefangenschaft geraten sind. Klein war 26 Jahre alt und verheiratet. Im Juni 1916 starb der Arzt Walter Gellhorn in einem Untersuchungsraum des Hospitals an einer Überdosis Morphium.

Lagerfriedhof Stobs Camp 1917

Zwei Briefe pro Woche durften abgesandt werden. Erhaltene und abgesendete Sendungen mussten vom Zensor abgestempelt sein. Damit konnte im Wesentlichen nur Belangloses - auf keinen Fall Kritisches - an die Außenwelt gelangen. Um Depressionen zu lindern, wurden zahlreiche Aktivitäten verfolgt. Die Lagerzeitung "Stobsiade" ging zunächst durch die Lagerzensur und erschien seit September 1915 zweimal monatlich zum Preis von einem Penny. Sie konnte auch von Deutschland aus abonniert werden, der Versand ins Ausland musste direkt von der Druckerei in Hawick aus erfolgen, die Redaktion vom Lager aus durfte keine Exemplare verschicken. Exemplare, zu denen Gefangene Zugang gehabt hatten, hätten nämlich für Mitteilungen genutzt werden können, die auf diese Weise der Zensur entgingen.

Abb.: Postkarte vom Stobs Camp nach Widdershausen

Abb.: POW Camp Stobs WWI Lagerzensur 1917

Sportfeste wurden regelmäßig abgehalten, zum Beispiel am Sonntag, den 8. August 1915 in Camp B. Unter Begleitung der Camp-Kapelle erfolgte um 13:00 Uhr die "Aufstellung sämtlicher Teilnehmer auf dem Turnplatz hinter der Kantine und Abmarsch zum Festplatz." Sowohl Zivilisten als auch Soldaten nahmen an dem Wettkampf teil. Um 20:00 Uhr gab es die "Siegerverkündigung auf dem Turnplatz darauf Umzug durch das Lager."
Auch Gottesdienste wurden durch den ebenfalls internierten Pastor Planer der Edinburgher deutschen evangelischen Gemeinde, in der Kantine abgehalten. Als Planer im April 1915 die Erlaubnis zur Ausreise erhielt, bemühte er sich erfolgreich, Pastor Abraham aus Middlesbrough für die Fortsetzung der seelsorgerischen Arbeit zu gewinnen. Ein holländischer Priester aus Hawick hielt katholische Gottesdienste.

Ferner gab es je einen Sportverein in Camp A und B, zwei Militärgesangvereine, einen Zivilgesangverein, einen Theaterverein, mehrere Instrumentalensembles sowie eine Bibliothek. In Camp A Hütte 21 bot eine Lehrvereinigung unter Sprachlehrer Heinike aus Manchester Sprachunterricht für Zivilisten an. Die Lehrvereinigung in Camp B/Hütte 76 wurde von Vize-Feldwebel von Napolski geleitet und bot z.B. Deutsch, Rechnen, Stenographie und Geschichte an.
Im Allgemeinen scheinen die Zustände in Stobs den Umständen entsprechend befriedigt gewesen zu sein. Das ist der Tenor der zitierten Inspektionsberichte, der Augenzeugenberichte von Anwohnern, und das befanden auch die Liverpooler Internierten.

Bis April 1916 war die Lagerbesatzung auf 4592 angewachsen: 1821 Soldaten, 502 Matrosen und 2269 Zivilisten. Unter letzteren befanden sich 178 Österreicher und zwei Türken. Am 5. Juli 1916 wurden dann die Zivilisten in andere Lager verlegt, die Mehrzahl "nach jenem öden Flecken Knockaloe auf der Insel Man." Das Stobser Zivilistencamp war am Morgen nach der Verlegung entvölkert. Stobs wurde jetzt ein reines Kriegsgefangenenlager. Die Aktivitäten blühten weiter. 1917 wurden die Weiterbildungskurse von 3500 Schülern besucht und von 67 Lehrern unterrichtet.

Abb.: Auszug aus einer schottischen Webseite über STOBS MILITARY CAMP http://members.aol.com/stobsmilitary/Pages/Page8/page8.html

Lageplan vom Stobs Camp 1920

Die letzte von über 80 Holzbaracken im Stobs Camp

Die letzte von über 80 Holzbaracken im Stobs Camp

Die Lagerzeitung "Stobsiade" kam auf 25 Ausgaben mit je 4000 Exemplaren und wurde bis Januar/Februar 1919 - kurz vor der Auflösung des Camps - weitergeführt.

Abb.: Die deutschen Gefangenen hatten eine eigene Lagerzeitung "Stobsiade".

Abb.: Nikolaus Trieschmann aus Widdershausen, Jahrgang 1892, verbrachte seine Gefangenschaft im Stobs Camp vom April 1917 bis November 1919

Exercise Book von Uffz. Nikolaus Trieschmann aus Widdershausen 1917

Aufzeichnungen von Nikolaus Trieschmann aus Widdershausen in Stobs 1918 (hier die Düngung des Gemüselandes)

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