Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Schacht Heringen 1945

Kriege > 2. Weltkrieg

Bericht über die Ereignisse in Heringen und dem Schacht Heringen zwischen dem 10.03.1945 und dem 12.02.1946

1. Sachlage vor der Besetzung durch die amerikanischen Truppen.

Am 09.03.1945 bin ich gemäß dem mir durch den damaligen Vizepräsidenten Dr. Brockamp erteilten Auftrag, die Archivbestände sicherzustellen und eine arbeitsfähige Ausweichstelle im Schacht Heringen aufzubauen, zum letzten Mal mit einem LKW von Berlin nach Heringen gefahren. Nach dem Entleeren dieses Wagens, der im Wesentlichen die aus den Trümmern des Nordbaues wieder ausgegrabene Lagerstättenkartei enthielt, blieb ich in Heringen zurück. Zur Unterstützung war mir der Angestellte Rodeck beigegeben. Einige Tage später kamen mit LKWs, die Archivmaterialien der Abtlg. Erdöl brachten, Frl. Schumacher und der Angestellte Stahmer.

Neben dem Einrichten der Arbeitsstelle in einem Stollen des Schachtes Heringen wurden Verhandlungen mit verschiedenen Dienststellen und Firmen geführt, um die nach Heringen zu versetzenden Angehörigen des Reichsamtes unterzubringen und zu verpflegen.

Da ich trotz aller Bemühungen seit dem 09. März keine Nachricht mehr vom Reichsamt bekommen hatte, fuhr ich am 23. März mit Herrn Prof. Deubel, der nach einem Bombenangriff wichtige Akten von Jena zur Sicherstellung nach Heringen brachte, nach Blankenheim, zu Herrn Staatssekretär Keppler. Er gab mir nach einem Bericht über die Arbeiten Vollmacht, um in Heringen alle wegen der Einrichtung nötigen Abmachungen treffen zu können. Dies war nötig, weil das Reichsamt für Bodenforschung noch immer keine Mitteilungen über den nach Heringen zu versetzenden Stab gemacht hatte. Ich schloss daraufhin einen Tag später einen Mietvertrag mit Wintershall über Arbeits- und Unterbringungsräume in Dankmarshausen ab, damit diese infolge des Zögerns des R.f.B. nicht anderweitig besetzt würden.

Bei meinem Weggang von Berlin war mir von dem damaligen Direktor Kromer zugesagt worden, dass sofort eine Summe von 20.00 RM auf die Kreissparkasse Hersfeld überwiesen werden sollte zur Bezahlung der für die vorgesehene Arbeitsstelle benötigten Einrichtungen usw. Diese Summe ist nie angekommen, sodass das Reichsamt am 31.03.1945 verschiedenen Handwerkern in Heringen erhebliche Beträge schuldete.

Während dieser Arbeiten und Verhandlungen traf ein Güterzug mit Arbeitsunterlagen, Geräten und Gepäck der Wehrgeologen- Dienststellen in Wannsee und Zielenzig in Heringen ein, die gleichfalls in den Schacht Heringen verlagert wurden und sich in einem Stollen unmittelbar neben unserem Arbeitsstollen einrichteten.

Am 27. oder 28. März war Herr Direktor Bentz zu einem kurzen Besuch in Heringen, der mit dem getroffenen Einrichtungsarbeiten durchaus einverstanden war. Am 29. März verließ Herr Stahmer Heringen. Am 30. März beurlaubte ich Herrn Rodeck für die Osterfeiertage, an denen nicht in den Schacht eingefahren werden konnte, nach seinem Heimatort Eisenach mit der Anweisung, dass er bei einer weiteren Verschärfung der Kriegslage sofort zurückzukehren habe. Er ist aber nicht zurückgekommen.

2. Sachlage am Tage der Besetzung.

Die Kriegslage hatte erkennen lassen, dass das Heranrücken der Kampfzone an das Werratal nur eine Frage von Tagen sein konnte. Der Feind hat das Werratal am 30.03.1945 verreicht. Es zogen sich Kämpfe um Heringen bis zum 02.04.45 hin. Die Besetzung erfolgte in den frühen Morgenstunden des 03.03.1945.

In den Schacht Heringen waren außer den Beständen des Reichsamtes für Bodenforschung auch die große Bibliothek des Reichspatentamtes, Aktenbestände und ein beträchtlicher Stab von Mitarbeitern dieses Amtes verlagert worden. Das Patentamt hatte einen seiner Herren beauftragt, im Falle einer Besetzung durch den Feind gewisse Patente, Geheimakten und Ähnliches zu vernichten. Diese Maßnahme war im Schacht vorbereitet. Die Ausführung geschah in der Nacht vom 30. zum 31. März 1945.

Am 30. März war der Chef der Wehrgeologenstäbe, Herr Prof. v. Seidlitz in Heringen anwesend. Ich hatte an diesem Abend noch eine kurze Besprechung mit Herrn Direktor Schramm vom Reichspatentamt, der im Pförtnerhäuschen des Schachtes Heringen auf die Entwicklung der Ereignisse wartete, um von dort aus den Befehl zur Ausführung der Vernichtung der genannten Akten zu geben. Von diesem Herrn erfuhr ich, wie weit der Feind gekommen war, ging daraufhin zu Prof. von Seidlitz und unterrichtete diesen sowie den militärischen Befehlshaber der Wehrgeologeneinheiten (Hptm. Raab). Dabei war auch der Hauptfeldwebel Schuler anwesend. Ich verlangte von Prof. v. Seidlitz, dass alle diejenigen Gepäckstücke usw. die zum Wehrgeologentransport gehörten und sich noch auf der Ackersohle des Schachtes Heringen befanden, unbedingt beseitigt werden müssten, damit nicht durch diese das Augenmerk des Feindes sofort auf den Schacht Heringen gezogen wurde. Dies wurde mir für den kommenden Vormittag zugesichert. In den frühen Morgenstunden verließ aber Prof. v. Seidlitz zusammen mit alles Soldaten der Wehrgeologen- Einheiten Heringen. Sie ließen nur 3 zu ihren Abteilungen gehörige dienstverpflichtete Frauen zurück, die ich in der Folgezeit stets betreut habe, und die bei späteren Arbeiten mit zur Hand gingen.

In Heringen waren am Tag der Besetzung außer mir aus dem Kreis des Reichsamtes und der Wehrgeologeneinheiten: Frl. Schumacher, vorher Angestellte des Reichsforschungsrates und tätig in der Abtlg. Erdöl, dann Frau Runge, dienstverpflichtet als Bibliothekarin, Frau Kiebel als Fotografin und Frau Adomeit als Stenotypistin, alle am Wehrgeologenstab Wannsee.

Während der Verbreitungen für die Vernichtung der Unterlagen des Patentamtes, von denen ich unterrichtet war, hatte ich natürlich auch ähnlich Maßnahmen für unsere Akten usw. überlegt. Ich war zu der Überzeugung gekommen, dass ich unter keinen Umständen irgend etwas vernichten würde, sondern wollte lediglich das eigentliche Rohrarchiv, die ungedruckten vorhandenen Reinblätter sowie die Personalakten als Wichtigstes vor einem Zugriff durch den Feind dadurch sichern, dass ich sie im Bergwerk in einem geeigneten Stollen unter Salz verbarg.

Unmittelbar vor der Besetzung hat dann die oben erwähnte Vernichtung der Geheimakten des Patentamtes durch Verbrennen stattgefunden. Die Vernichtung ist zu 95% gelungen. Im Zusammenhang mit diesem Brand habe ich mit wenigen Wintershall-Leuten eine Grubenfahrt unternommen, um festzustellen, ob der Brand auf den vorgesehenen Herd beschränkt blieb. Wir mussten bei dieser Grubenfahrt über die Fahrten steigen, wie die Fördermaschine natürlich nicht mehr in Betrieb war. Die Befahrung fand mit Genehmigung des damaligen Volkssturmkommandanten, des Grubendirektors Psotta von Hattorf statt.

Während der Kämpfe bin ich am Ostersonntag, dem 01. April 1945 auf der Ackersohle des Schachtes Heringen gewesen, als der Feind schon auf der anderen Werraseite stand, und musste feststellen, dass die Wehrgeologen vor ihrem Abrücken, entgegen der mir gegebenen Zusage , die Ackersohle nicht mehr geräumt hatten. Dort standen erhebliche Mengen von Gepäck aller Art: Kisten mit Akten, Fotomaterial, Schreibmaschinen, Instrumente, darunter z. B Projektions- und Kinoapparate, sowie Privatgepäck. Außerdem fand ich auch noch Akten der Abteilung Erdöl, die z. T. sogar als "geheime Reichssache" bezeichnet waren. Ich habe an diesem Tage, bei dauernden Tieffliegerbeschuss , lediglich unterstützt von einem Pförtner des Werkes Wintershall von diesem ganzen Gepäck von der Ackersohle hinweg getragen, was ich nur eben konnte und habe diese in dem Keller eines Maschinenhauses untergebracht. Dieses Gepäck ist dann beinahe das einzige gewesen, das der Durchsuchung und Plünderung entgangen ist.

Außer dem amtlichen Gepäck hat sich an einigen Stellen im Schacht eine erhebliche Menge von Privatgepäck gefunden, das dort bombensichergestellt war. Vor allem war mit dem Wehrgeologenmaterial eine ganz außerordentlich große Privatgepäckmenge in den Schacht verlagert worden (z. B. über 50 Kisten von v. Seidlitz!). In den Arbeitsstollen des Reichspatentamtes befanden sich gleichfalls größere Gepäckstapel. In unseren Räumen hat es sich nur um sehr geringe Gepäckmengen gehandelt, an denen einzelne Herren mit einem oder 2 Stück beteiligt waren. Lediglich von der Archiv- Angestellten Frl. Hartmann haben sich etwa 10 große Kisten im Schacht befunden, die sie bei einer der Verlagerungsfahrten von Gosda aus, entgegen dem bestehenden Verbot, wenn auch stillschweigend geduldet, in meiner Abwesenheit auf einem LKW mit verladen hat.

3. Vorgänge nach der Besetzung durch die amerikanischen Truppen

Sofort nach der Besetzung wurde der Schacht Heringen als Reparaturwerkstätte für amerikanische motorisierte Einheiten herangezogen. Jeder Zugang zum Schacht war dann unmöglich.


Ich hatte in diesen Tagen dauern Fühlung mit der Gewerkschaft Wintershall, weil ich mich dieser zum Werkschutz gegen plündernde Ausländer zur Verfügung gestellt hatte. Dadurch sind meine Beziehungen zu Wintershall noch wesentlich gebessert worden, sodass ich nachher über jede Verhandlung und jede feindliche Grubenfahrt unterrichtet wurde.

Wenige Tage nach der Besetzung wurden die in den Kalischächten sichergestellten Werte der Besatzungstruppe verraten. Diese hat die Werksleitungen dann gezwungen, die in ihre Räume verlagerten Bestände und Organisationen anzugeben. Es fand dann sehr bald eine erste Befahrung des Schachtes Heringen durch einen beauftragten Offizier statt, der durch Direktor Gutzke und den Obering. Keyselitz von Wintershall auf dieser Fahrt begleitet, sich vor allem um die Akten des Patentamtes kümmerte. Nach der Feststellung der Aktenvernichtung wurden einige Herren des Patentamtes vernommen, z. T. verhaftet und den übrigen ein Verbot zum Verlassen Heringen auferlegt. Da täglich Vernehmungen waren und weitere stattfinden konnten, war mir durch Wintershall nahe gelegt worden, stets verfügbar zu sein.

Als sich aber herausstellte, dass die Vernehmungen einen Tag vorher angekündigt zu werden pflegten, konnte ich wieder über meine Zeit besser Verfügen, die ich nicht ungenützt vergehen lassen wollte.

Ich habe mich dann entschlossen, eine geologische Wasserstatistik für das Werra-Kali-Gebiet auszuführen. Zu diesem Zwecke habe ich per Fahrrad die Fühlung mit den Landräten in Hersfeld und Eisenach aufgenommen, nachdem ich mir schon am 17.04.45 vom amerikanischen Kommandanten in Eisenach die Erlaubnis zur Benutzung des Fahrrads im Zusammenhang mit dieser Arbeit, die öffentliche hygienische Interessen betraf, verschafft hatte.

Für diese Arbeit habe ich dann von Mai bis in den Juli hinein immer wieder Befahrungen ausgeführt und später nach der Besetzung Thüringens durch die Russen für eine Zusammenstellung der gesamten geohydrologischen Verhältnisse für den Anteil des Kreises Hersfeld am Werra-Kali-Gebiet dem Herrn Landrat in Hersfeld sowie den an dieser Arbeit interessierten Gewerkschaften Wintershall und Hattorf abgegeben. In diesem Zusammenhang habe ich dann auch ein größeres Wassergutachten für die Gemeinde Heringen und noch später für die Stadt Hersfeld erstattet.

Im Besitz der Radfahrerlaubnis, die ich mir gleich hatte bis nach Jena ausstellen lassen, bin ich dann auch das Risiko, dass ich u. U. ein paar Tage nicht in Heringen war, am 24.04.1945 zum ersten Male nach der Besetzung wieder nach Jena gefahren. Die Fühlung mit Herrn Prof. Deubel habe ich dann auf 3 weiteren Radfahrten bis Jena bis zur Besetzung Thüringens durch die Russen aufrecht erhalten mit dem Ziel, die Freigabe der Bestände in Heringen zu erreichen, diese nach Jena zu überführen und mich selbst - da eine Verbindung mit Berlin nicht mehr möglich war - in Jena angliedern zu lassen. Die Verhandlungen standen in dieser Hinsicht unmittelbar vor dem Abschluss, als mit der Besetzung Thüringens meine Verbindung mit Prof. Deubel abriss.

Ohne dass ich die einzelnen Tage noch genau angeben könnte, hat sich dann in Heringen das Folgende ereignet: Nach der oben erwähnten, ersten amerikanischen Grubenfahrt, fanden in kurzen Abständen wiederholt Grubenbesichtigungen statt. Sie führten endlich dazu, dass in den ersten Tagen des Mai, und zwar an einem Freitag eine amerikanische Truppe mit 50 großen Lastkraftwagen , der entsprechenden Zahl amerikanischer Soldaten und deutscher Kriegsgefangener erschien mit der Absicht, die gesamten Bestände aus dem Schacht Heringen abzutransportieren.

Bei diesen Besuchen hat das Interesse der Amerikaner vorwiegend dem Reichspatentamt gegolten. Von uns wurde kaum Notiz genommen. Es wurde wohl nach "den Geologen" und nach mir gefragt, doch bin ich während dieser ganzen Zeit nicht verhört worden.

Die Unmöglichkeit, die gesamte Bücher- und Aktenbestände im Schacht auf einmal zu fördern, wurde dem kommandierenden Offizier erst von Herrn Direktor Gutzke durch den Hinweis auf den Transport mit dem Förderkorb klar gemacht, der zum Einbringen viele Monate gebraucht habe. Die gesamte Truppe, die zu diesen 50 LKW gehörte, fuhr aber an diesem Tage ein und blieb bis zum nächsten Mittag im Schacht. Sie hat im Schacht jeden einzelnen Behälter, jede Kiste und jedes Gepäckstück bis in die kleinste Einzelheit aufgebrochen und durcheinander gewühlt. Da die Gewerkschaft Wintershall auch einige Alkohol- und Rauchwarenvorräte im Schacht hatte, hat sich an diesem Tag eine unvorstellbare und nicht zu beschreibende Orgie im Schacht abgespielt. Die Truppe ist am nächsten Mittag, einem Sonnabend (entweder dem 05. oder dem 12.05.45), wieder ausgefahren und hat entsprechende "Andenken" - Mengen mitgenommen.

Zwei Stunden später sind die 3 Direktoren Blomenkamp, Gutzke und Henne von Wintershall, der 1. Bibliotheksrat Voigt vom Reichspatentamt und ich eingefahren und haben die angerichtete Verwüstung gesehen. Das kaum zu beschreibende Bild an allen Stellen, wo Gepäck oder geschlossene Kisten oder andere Behälter lagen, zeigte ein wirres Durcheinander von dem gesamten Inhalt von Akten, Büchern, Wäsche, Geschirr, Schuhwerk, Kleidung, Silber, Bettzeug, Lebensmitteln, Bildern, Briefen, Fotos, dazwischen Scherben, Packmaterial, Filme, Fotomaterial, Karten, Einmachgläser, Fotokopie-Filmrollen, Instrumente, Bretter, zerstörte Koffer, Salz.

Am späten Nachmittag nach dieser Grubenfahrt wurde plötzlich von einem dem Schacht Heringen gegenüber wohnenden Steiger aus dem Schacht aufsteigender Rauch bemerkt. Mit entsprechenden Geräten versehen sind dann 3 oder 4 Angehörige von Wintershall über die Fahrten in den Schacht eingestiegen und haben in dem zu unserem und dem Wehrgeologen-Arbeitsstollen hinführenden Hauptstollen einen dort ausgebrochenen Grubenbrand bemerkt und gelöscht. Dieser Brand, der während der nur wenige Stunden zurückliegenden Grubenfahrt, an der ich teilgenommen hatte, noch nicht ausgebrochen war, ist nur so zu erklären, dass irgend ein von einem Amerikaner weggeworfener Tabakrest Nahrung fand. Das Feuer hat zunächst so lange unter irgendeiner Decke weitergeschwelt, bis es wahrscheinlich an einem Filmstreifen zum Auflodern kam und dann in der angerichteten Verwüstung reiche Nahrung fand. Was diesem Brand alles zum Opfer fiel, entzieht sich jeder Beurteilung.

Es war aus betrieblichen und Stromversorgungsgründen beschlossen worden, zwei Tage später wieder einzufahren, um Ordnung zu schaffen, das Privatgepäck zu retten und zu fördern. Da aber bereits am nächsten Tag wieder eine amerikanische Truppe kam und einfahren wollte, um weitere "Andenken" zu sammeln, musste der Plan aufgegeben werden. Zudem war ein Maschinenschaden in Erscheinung getreten, der ein Einfahren bis auf weiteres verbot.

Wegen der Vernichtung der Geheimakten wurde das Betreten beider Schächte durch Deutsche untersagt und die Schächte durch Posten gesichert. Es folgten dann Befahrungen durch amerikanische Sachverständiger Offiziere, die die Brandstelle der Geheimakten untersuchten. Diese Befahrungen mussten den Weg auch über die Fahrten nehmen so lange, bis die Nutzung des Förderkorbes wieder möglich war. Dann erschien eines Tages ein aus Washington gekommener Archäologe, der die verbrannten Papierreste sorgfältig aufsammelte und förderte. Da alle diese Besuche von deutschen Steigern, Anschlägern usw. begleitet werden mussten, erhielt ich Kenntnis von allen Vorgängen im Schacht und weiß deshalb auch, dass alle diese Besuche sich stets auch mehr oder weniger liebevoll mit dem umher liegenden, erbrochenen Gut, sei es ziviler oder militärischer Natur, befassten und stets "Andenken" mitnahmen.

Während dieser Zeit haben sich die Gewerkschaft Wintershall, Direktor Schramm vom Reichspatentamt ich bei dem jeweiligen Kommandanten in Heringen, in Hersfeld und bei höheren Dienststellen um die Erlaubnis zum Zutritt und um die Freigabe des Privatgepäck geborgen und dieses, soweit es den am Ort anwesenden gehörte oder als bekannten Kollegen gehörig erkannt werden konnte, und die Möglichkeit zum Unterbringen in der betreffenden Wohnung bestand, aus dem Schacht gefördert. Es war ausdrücklich verboten worden, dass irgendetwas Gedrucktes mit herausgebracht wurde, und es hat eine strenge Kontrolle stattgefunden.

In der Folgezeit sind dann gelegentlich einzelne Besitzer von in den Schacht verbrachtem Privatgepäck nach Heringen gekommen, um nach ihrem Eigentum zu forschen. Wir konnten die betreffenden dann zu den in einem von Frau Adomeit gemieteten Raum untergebrachten Gepäckresten führe und sie dort nach ihren Sachen suchen lassen. Leider haben wir dabei sehr unangenehme Erfahrungen machen müssen. Statt das die Betreffenden für die Mühe und die vor allem seitens der Damen der früheren Wehrgeologenstäbe geleistete Arbeit an der Sicherung und Reinigung Anerkennung gehabt hätten, mussten wir noch sehr unerfreuliche Auftritte und Vorwürfe hinnehmen.

Wir haben an diesem 05. Juni, die in den Schacht gebrachten und von uns gegen Staub gut gesichert gewesenen Mikroskope und Schreibmaschinen, die alle irgendwo umherstanden oder lagen, hinter großen Kartenstapeln der Vertriebsstelle verborgen. Die Instrumente sind zum großen Teil mehr oder weniger beschädigt worden, einige sind unbenutzbar, manche Teile, vor allem auffälligerweise ein großer Teil der Okulare, fehlen.

Wenige Tage nach der Besetzung Heringen ließ mich der neu ernannte Bürgermeister zu einer Rücksprache bitten und teilte mir mit, dass sich in Räumen der Raiffeisen-Darlehenskasse in Heringen irgendwelche Materiallager der Wehrgeologen-Einheiten befänden. Diese möchte ich als Fachmann durchsehen, auch ob nicht noch Waffen und Munition dort vorhanden seien. In der Darlehenskasse stellte ich fest , dass dort auf dem Dachboden der Lagerhalle und in einem Lagerraum zu ebener Erde eine große Reihe von Kisten mit dem verschiedensten Inhalt an Geräten, Autozubehörteilen, Möbeln, Vorräten an Farben, Schmierfetten, Papier besät. In Anbetracht der Sachlage habe ich mich mit einigen mir bekannten Herren von Wintershall ins Benehmen gesetzt und wir haben angefangen, diese Bestände zu sichten und von dort für Zwecke des Reichsamtes und damit der Allgemeinheit sicherzustellen und zu retten, was nur zu retten war. Da es sich aber um zweifellos militärisches Gut gehandelt hat, das schon von amerikanischen Truppen durchsucht und außerdem schon einigen Kreisen der Bevölkerung Heringens bekannt geworden war, mussten wir mit Vor- und Umsicht vorgehen.

Da es nicht möglich war, die ganzen Bestände sofort zu sichern und auf einmal abzutransportieren, erlebten wir, dass die jeweils am Tage bei einem unserer Besuche getroffene Anordnung am nächsten Morgen schon wieder gestört war, sodass also laufend Diebstähle und Plünderungen vorkamen. Der Verschluss der Räume war derartig mangelhaft, dass eine Sicherung nicht zu erreichen war.

Es ist gelungen, die Einrichtung eines großen Fotolabors mit vor allem Fotokopiergeräten, Vergrößerungsapparaten, Lichtpausapparaten, Dunkelkammereinrichtung, Chemikalien, Fotopapieren, Lichtpauspapieren usw. abzutransportieren und in einer mir von Wintershall zur Verfügung gestellten Waschkaue des Leichtmetallwerkes zu sichern. Die Bestände waren zum Teil Eigentum der oben genannten Fotografin des Wehrgeologenstabes Wannsee, Frau Kiebel, aus deren zerstörten Berliner Fotogeschäft, im übrigen überwiegenden Teil aber dienstliche Bestände von Wannsee. Außer den genannten Gegenständen befanden sich z. B. ein Barograph, ein Präzisionsbarometer, ein Feldwinkelmesser mit Zubehör, elektrische und geolektrische Apparate verschiedener Art, eine ganze Anzahl von Bohrgestängen, zwei große Elektro-Kochkessel, verschiedene Werkzeug u. ä. m. dort.

Da ich zum Abtransport dieser z. T. umfangreichen Geräte (z.B. zwei Fotokopiertische Lumoprint) und der schweren Papierkisten Hilfekräfte brauchte, hatte ich mich außer mit den genannten Wintershall-Herren mit Handwerkern in Verbindung gesetzt, die vorher zum Aufbau der Arbeitsstelle unter Tage herangezogen worden waren. Da diese Handwerker durchweg erhebliche Forderungen an das Reichsamt oder and ei Wehrgeologen, also an das Reich , hatten, die ich nicht bezahlen konnte, war ich dann einverstanden, dass diese von der Plünderung mehr und mehr anheim fallenden Geräten dieser vormaligen Wehrmachtsbestände Gegenstände an sich nahmen, die sie gebrauchen konnten.

Es stellte sich dann auch heraus, dass auf dem Gelände des Schachtes Heringen noch verschiedene Geräte zum Aufbau eines Barackenlagers gelegen hatten. Einiges ist von solchen Handwerkern übernommen worden, die mir darüber Bescheid gaben. Es handelte sich dabei z. B. um eine Drehbank, eine Feldschmiede, einen Schweißapparat, einen Waschkessel. Über diese Vorgänge habe ich gemäß einer Aufforderung in den Zeitungen dem Herrn Oberpräsidenten in Kassel bzw. dem Oberfinanzpräsidium einen eingehenden Bericht erstattet mit Angabe der von uns in Verwahrung und Benutzung genommenen Gegenstände und auch der mir bekannten, in Betreuung von einzelnen Heringer Einwohnern gekommenen Sachen.

Ich hatte kein Verzeichnis von denjenigen Gegenständen, die von Berlin aus in Heringen sichergestellt werden sollten. Es gab keine Aufstellung, wie viele Schreibmaschinen oder Mikroskope z. B. im Schacht eingelagert waren. Wir haben erst nachher ein neues Gesamtinventar aufgestellt, welche Instrumente jetzt zu unserem Inventar gehören. Dieses Verzeichnis hat auch Herr Prof. Michels. Wir wissen, dass einige Mikroskope und Schreibmaschinen, die dem Reichsamt gehört haben, bei den Vorgängen im Schacht verschwunden sind. Wir haben aber einige aus der Masse des Wehrgeologenrestes retten und unseren hinzufügen können, sodass der Bestand, der uns geblieben ist, wahrscheinlich dem ursprünglichen gleich ist, ohne dass es jedoch in jedem Falle möglich wäre, anzugeben, woher das betreffende Instrument kommt. Dasselbe gilt auch für Schreibmaschinen u.a.

4. Die Bemühungen um die Neuorganisation

Das Interesse am Reichspatentamt hat dazu geführt, dass alliierte Offiziere wiederholt nach Heringen kamen und mit den Herren von diesem Fühlung nahmen. An uns und mir bestand kein Interesse. Ein englischer Oberst Monroe gab in dieser Zeit die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Arbeiten durch das Reichspatentamt. Bei einem seiner Besuche wurde nach einem Geheimverzeichnis geforscht, das - wie sich im Laufe der Besprechung ergab - nicht verbrannt und in Heringen zunächst nicht aufzufinden war. Während der Vorbereitungen für die Verbrennung der Patentgeheimakten, las ich das Bohrarchiv zum Verbergen unter Salz herrichtete, brachte ein Herr vom Patentamt ein Paket, das ich bei dieser Gelegenheit nicht
verbergen möchte. Dieses Paket enthielt das von dem Obersten Monroe verlangte Verzeichnis. Oberst Monroe machte den damals als deutscher Leiter des Patentamtes fungierenden Direktor Schramm für die Wiederherbeischaffung verantwortlich. Dieser kam zu mir zu einer Beratung über die nötigen Maßnahmen. Ich entschloss mich sofort, am nächsten Morgen zu dem Obersten Monroe zu gehen und ihn über den Sachverhalt aufzuklären. Ich fand ihm einen durchaus verständigen Herrn, der nach meiner Erklärung sofort die von mir als nötig erachtete Anzahl von Arbeitern bereitstellen ließ und eine Grubenfahrt zum Wiederausgraben anordnete. Diese brachte ihm die gewünschte Rolle und uns das Bohrarchiv und die übrigen Akten wieder zum Vorschein.

Ich zeigte diesem Herrn die von uns verlagerten Bestände und erhielt die Erlaubnis zur Benutzung unserer Unterlagen im Schacht und zum Herausfördern aller Instrumente zum Zwecke der Säuberung und Sicherung.

Diese Grubenfahrt hat am Ende der ersten oder Anfang der zweiten Juliwoche stattgefunden, denn unmittelbar nachdem ich die Erlaubnis zur Benutzung des Materials wieder erhalten hatte, habe ich mich nach Kassel zum damaligen kommissarischen Oberpräsidenten der Provinz Kurhessen begeben, diesem von der Sachlager Bericht erstattet und ihm mitgeteilt, dass ich wieder in der Lage sei, geologische Beratungen aller Art auszuführen. Dieser Besuch in Kassel hat am 13. und 14. Juli 1945 stattgefunden. Ich erlangte während dieses Besuches die Zustimmung, diejenigen Arbeitkräfte anzustellen, die für die Säuberung und Sicherung der geförderten Instrumente nötig waren. Außerdem wurde meine Unterstellung unter die Abteilung Wirtschaft und Finanzen beim Herrn Oberpräsidenten vorgesehen und später ausgeführt und ein Rundschreiben an die unterstellten Behörden erlassen, das von der Einrichtung eines Amtes für Bodenforschung der der Arbeitsmöglichkeit Kenntnis gab.

Seit dieser Zeit hab ich in dauernder enger Fühlung mit der Regierung in Kassel gestanden und bin nahezu jede zweite Woche zu Besprechungen aller Art in Kassel gewesen. Es wurde mir dann auch sehr bald Geld in Aussicht gestellt und mir RM 10.000.- zur Sicherung und Wiederaufnahme der Arbeiten gewährt. Dieser Kredit wurde mir bei der Regierungskasse bzw. dem Landrat in Hersfeld eingeräumt.

IN der letzten Juniwoche hatte ich zunächst einmal Besuch von Herrn Prof. Bentz. In der ersten Juliwoche den von Herrn Bentz Dr. Clooss und an der Monatswende Juli/August den von Herrn Dr. Schenck. Auf einer Fahrt nach Frankfurt am 25.-27. 07.45 erfuhr ich durch Herrn Prof. Reuling, dass Prof. Michels in Limburg du Prof. Burre in Fürth i. O. weilten.

In einer Besprechung mit dem Oberpräsidenten Dr. Hoch in Kassel wurde der Plan, den Sitz des Amtes von Heringen, das damals ohne jede Bahnverbindung und außerdem einmal zwei oder drei Tage von den Russen besetzt war, hinweg zu verlegen, erörtert. Entsprechend der Unterstellung unter die Regierung in Kassel wurde ein Unterkommen bei Kassel oder bei Marburg gesucht. Als sich dies als unmöglich erwies, stellte der Oberpräsident eine Platzwahl nach eigenem Ermessen frei. Zu dieser Planung nahm ich dann die Fühlung mit Herrn Prof. Michels auf, indem ich ihn am 27.August zusammen mit Dr. Schenk in Limburg besuchte. Wir waren zusammen bei Herrn Direktor Witte von der Abtlg. Bergbau der Buderus´schen Eisenwerke in Wetzlar, der uns das Lager bei Grube Beilstein für die Neuaufstellung des Amtes vorschlug. Dieser Vorschlag fand die Zustimmung der Regierungen Kassel und Wiesbaden.

Da Grube Beilstein aber nicht in Kurhessen liegt, wurde aus Finanz- und Verwaltungsgründen der Satz des Amtes für Bodenforschung offiziell in das Geologische Institut der Universität Marburg verlegt und das Lager bei Grube Beilstein als Ausweichquartier bezeichnet. Für die Vorbereitung zu Umzug wurden noch ein paar Wochen vorgesehen.

Nach der oben erwähnten Besprechung mit Oberst Monroe und der Gewährung der Geldmittel durch die Regierung Kassel wurden die Mikroskope und Schreibmaschinen usw. in die Waschkaue des Leichtmetallwerkes der Fa. Wintershall gebracht, in der sich schon die aus dem Raiffeisen-Lager stammenden Geräte befanden. Dort wurden alle Instrumente und Geräte einer peinlichen Säuberung unterzogen, um alle anhaftenden Salzstäubchen zu entfernen und die Geräte vor einer dauernden Schädigung zu bewahren. Eine Reihe von Schäden konnte noch in Heringen durch Fachkräfte beseitigt werden.

Weiterhin wurden während des ganzen Monats August alle oben erwähnten Damen wieder angestellt, um die durch die Durchsuchung hervorgerufene Unordnung in unseren Stollen zu beheben und die überall im Schacht herumliegenden Bestände der Wehrgeologenbibliothek einigermaßen zu ordnen. Unabhängig von weiteren Entscheidungen sollten für die Dauer geordnete Zustände in den Arbeitsstollen herrschen. Zu dieser Arbeit wurde auch eine nach Heringen evakuierte frühere Leiterin eines Breslauer Verlages, Frau Schadwinkel, herangezogen.

Die Regierung in Kassel hatte eine Reihe von Gutachten erbeten, sodass Herr Dr. Nöring um diese Zeit auf Veranlassung von Prof. Michels zur Unterstützung nach Heringen kam.

Da in der Waschkaue eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Schreibmaschinen und andern Instrumenten stand und wir auch weiterhin noch nicht sicher waren, ob nicht eines Tages durch irgendeine besonders gewidmete Besichtigung und Kontrolle eine Beschlagnahme erfolgte, hielt ich es für zweckmäßig, einen Teil der Geräte zu verteilen. Zunächst kam ich einem Wunsch des Oberpräsidenten in Kassel entgegen, der Schreibmaschinen benötigte, und lieh ihm gegen einen Leihschein mit dem Recht jederzeitiger sofortiger Kündigung vier Schreibmaschinen. Privatgepäck, das wir gefördert hatten, nahm her Dr. Schönhals zum größten Teil mit einem LKW mit nach Merlau.

Während also die Arbeiten anscheinend wieder ganz gut in Gange gekommen waren und unsere Bemühungen vor allem der Neuaufstellung galten, wurde ganz unerwartet eine Sperre über den Schacht verhängt und uns der Zutritt ohne Angabe von Gründen verweigert. Dies geschah am 31.08. oder 01.09.45. Diese Sperre betraf das Reichspatentamt und uns gleichmäßig.

Gemeinsam mit Herren des Patentamtes habe ich dann Vorstellungen bei Ortskommandanten in Heringen erheben, wurde von diesem an die Kommandantur des Regiments in Hersfeld und von diesem an das Hauptquartier der Armee nach Heidelberg verwiesen. Ich fuhr also nach Heidelberg, konnte da keinen Sachbearbeiter erreichen, wie das bei allen solchen Besprechungen immer wieder vorkam. In Heidelberg wurde mir als Vertreter deutscher Interessen vor dem amerikanischen Hauptquartier der Rechtsanwalt Dr. Heimerich genannt, dem ich dann den Auftrag erteilte, unsere Interessen betr. Den Zutritt zum Schacht und die Freigabe der Bestände zu vertreten.

Diese immer wiederholten Vorstellungen bei allen möglichen Dienststellen mit dem Ergebnis halber Versprechungen, Verweisungen an andere Dienststellen in anderen Orten, zogen sich bis in den Dezember hin. Schriftliche Eingaben in deutsch und englisch mit Begründung der Notwendigkeit unserer Arbeit durch deutsche und amerikanische Dienststellen, Beschaffung von Befürwortungen, beanspruchten dann viel Zeit. Herr Prof. Bentz wurde stets unterrichtet und bemühte sich ebenfalls.

Auf Veranlassung von Herrn Prof. Michels trafen sich die in Hessen und Hessen-Nassau ansässigen Kollegen des Reichsamtes in etwa regelmäßigen Abständen in Frankfurt. Hier wurden stets Masanahmen zur Erlangung der Freigabe besprochen. Die in der Bildung begriffene Regierung des Staates Groß-Hessen in Wiesbaden wurde durch Herrn Michels an der Förderung dieses Zieles interessiert. Diese Bemühungen, unterstütz durch die vorerwähnten wiederholten Eingaben an verschiedenen Stellen haben dann dazu geführt, das wir aus Wiesbaden in den letzten Tagen des Dezembers eine Bescheinigung erhielten, auf die hin mir die Militärregierung in Kassel am 4.1.46 eine Freigabebescheinigung und Transporterlaubnis für die gesamten Bestände ausstellten.

Aber auch diese Freigabebescheinigung hätte uns nichts genützt, Herr Michels nicht durch die Vermittlung des amerikanischen Beauftragten für den Bergbau in Wiesbaden, einen amerikanischen Geologen, Oberlt. Kozary, in Frankfurt kennen gelernt hätte, der sich für unsere Angelegenheit interessierte. Dieser hat in der Dienststelle, die die Durchsicht aufgefundener Dokumente und die Sicherstellung dieser so genannten "Safes" kontrollierte, alle Bemühungen zusammengefasst und endlich den Wegtransport der Bestände von Heringen in die Wege geleitet bzw. gestattet hätte. Nach der Sperre des Schachtes im September sind in der ersten Zeit dauernd Abend für Abend amerikanische Soldaten aus Heringen mit einer Bescheinigung für "Leerzwecke" in den Schacht eingefahren und haben alle Bestände wieder durchwühlt und die von uns mühsam wiederhergestellte Ordnung neuerdings so vollkommen gestört, dass mit einer einzigen Ausnahme eines Stahlschrankes der Abtlg. II alle Kisten erneut aufgebrochen und der Inhalt verstreut wurde. Es sind dann die letzten Reste von Privatgepäck, auch wenn sie noch so gut versteckt waren, gefunden und restlos mitgenommen worden.

Herr Prof. Bentz hat (abgesehen von einigen Steigern von Wintershall) als einziger Deutscher die Arbeitsstollen in diesem Zustand des größten Durcheinanders gesehen. Er war Ende November oder Anfang Dezember mit dem englischen Major Gunther einmal im Schacht, durfte aber nichts mitnehmen. Schon Anfang Oktober besuchten einmal englische Offiziere, wohl durch Herrn Prof. Bentz veranlasst, den Schacht. Man hatte ihnen aber nur die Erlaubnis gegeben, eine Stunde lang einzufahren und nichts mitzunehmen. Meine Begleitung war ihm nicht erlaubt worden.

5. Die Verlegung nach Grube Beilstein bei Oberscheld

Nachdem die Verlegung der Arbeitsstelle nach Grube Beilstein bei Oberscheld festgelegt war, wurde dort Herrichtungsarbeiten in Abgriff genommen. Der Umzug wurde Mitte Oktober ausgeführt. Herr Dr. Nöring und die mittlerweile zur Anstellung als Bibliothekarin bestimmte Frau Schadwinkel sollten so lange in Heringen zurückbleiben, bis das letzte Buch aus dem Schacht gefördert war. Herr Nöring wurde allerdings aus unbekannten Gründen unmittelbar nach meinem Weggang von Heringen verhaftet und seitdem in Haft zurückgehalten. Frau Schadewinkel blieb, wie vorgesehen, bis zum Ende des Abtransportes in Heringen.

Im Zusammenhang mit dem Fortgang der Verhandlungen um die Räumung war ich wiederholt in Heringen, habe dort einmal englischen Offizieren Auskunft über die Vorgänge im Schacht und das Prinzip der Aufstellung und ursprünglichen Ordnung gegeben. Gemeinsam mit Herrn Oberlt. Kozary habe ich dann die Räumung unserer Bestände eingeleitet. Herr Prof. Dammer, dessen Anwesenheit in Eschwege wir leider erst sehr spät erfahren haben, und ich haben gemäß den uns in Frankfurt gegebenen Anweisungen in Abtrennung der für die Arbeit im Groß-Hessischen Raum benötigten Archivbestände und darüber hinaus des durch Herrn Oberlt. Kozary in Form eines Gentlemen-Agreemant zur Verfügung gestellten Materials für die Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Westfalen, Rheinland und Süddeutschland, von betreffen. Die Bestände für die genannten Provinzen sind am 17. Januar 1946 nach Beilstein transportiert worden. Die Bibliothek und die Betriebsstelle wurden verladen und die letzten noch in Heringen verbliebenen Gegenstände nach dem Abtransport der Waggons am 12.2.46 in Heringen abgeholt.

Oberscheld, 15.02.1946
Dr. U/Sch.

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