Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Zonengrenze

Zonengrenze

Die Zonengrenze bei Widdershausen

1945 wurde ganz Thüringen von den Amerikanern besetzt und am 1. Juli 1945 unter sowjetische Militärverwaltung gestellt. Die Kommissionen der Siegermächte einigten sich auf den uralten hessisch-thüringischen Grenzverlauf. Auf sowjetischen Wunsch sollte das Flußbett der Werra die neue Grenze bilden. Wäre dieser Wunsch in Erfüllung gegangen, hätte unsere heutige Kernstadt Heringen knapp 40 Jahre den real existierenden Sozialismus kennengelernt.

Spanische Reiter 1968 auf dem Bahndamm zwischen Widdershausen und Dankmarshausen

Die vor dem Kriege nach Thüringen überwechselnden Pendler konnten auch nach 1945 ohne Schwierigkeiten ihre Arbeitsstätten aufsuchen, besonders die Kaligruben in Dippach, Springen, Dorndorf, Unterbreizbach und Merkers. In ost-west­licher Richtung betraf dies die Kaliwerke Wintershall in Heringen und Hattorf in Philippsthal. Bei Kirmesveranstaltungen im Westen oder Osten kamen bis dahin die Besucher der jeweiligen Grenzgemeinden zu Fuß oder per Rad und feierten mit. Einige Bilder aus dieser Zeit stellen eine Kirmesveranstaltung in Dankmarshausen dar, bei der noch Getränke über den Zaun nach Widdershausen gereicht wurden.

Der Zollbeamte Kurt Ernst vom Zollkommisariat Heringen vor einer Propagandatafel der DDR aus den 50er Jahren in der Nähe von Bodesruh

Außer von den jeweiligen Besatzungstruppen wurde die Grenze ab 1. Februar 1946 von der „Hessischen Grenzpolizei“ kontrolliert. 1949 gingen die Aufgaben der Polizei auf den „Zollgrenzdienst“ der Bundesrepublik über. Grenzpolizei und Zollgrenzdienst waren bis zum Erscheinen des Bundesgrenzschutzes 1951 wegen der ausgedehnten Grenze stark gefordert, wenn sie alle Überwechsler kontrollieren wollten. Im Osten übernahm neben der Sowjetarmee zunächst die sowjetzonale Volkspolizei, die „Vopo“, die die entsprechenden Kontrollen. Ab 1952 nannten sich diese Formationen „Deutsche Grenzpolizei“ und unter­standen dem Ministerium für Staatssicherheit.

Auch einige Widdershäuser waren in diesen Zeiten als „Fluchthelfer“ tätig. Wie gefährlich diese vorwiegend nächtliche Tätigkeit war, zeigte sich als Georg Eitzert (Vater von Erich und Heinrich Eitzert) zwischen Widdershausen und Dankmarshausen von russischen Grenzsoldaten erschossen wurde.

Nach der entgültigen Kapitulation im Mai 1945 begann schon die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland, Ungarn und Schlesien. Alle diese Menschenmassen wurden nach einigen Wochen Aufenthalt in Flüchtlingslagern, der Einwohnerzahl entsprechend, in die dörflichen Gemeinden gebracht. Großes Elend und Sorgen hielten damit Einzug. Mehrköpfigen Familien stand mit ihrem geringen Hab und Gut meistens nur ein Raum zur Verfügung. Die Häuser platzten schier aus den Nähten.

Ein fürchterlicher Tauschhandel kam leider auch in Widdershausen durch die Not der Menschen in Schwung. Kompensieren lautete das Schlagwort. Die Vertriebenen gaben Wertgegenstände, die sie vielleicht heimlich hatten herüberretten können und nicht lebenswichtig waren, schweren Herzens ab für einige Lebensmittel. Jetzt galt es erst einmal zu überleben, alles schien am Nullpunkt angelangt zu sein und die Zeiten konnten schließlich nur noch besser werden. Tatsächlich schienen sich auch alle so gut wie möglich einzurichten.

Ganz anders wurde alles mit dem Tag der Währungsreform am 18. Juni 1948 trat die neue Währung in Kraft. Plötzlich waren die Geschäfte wieder voller (zurückgehaltener) Waren, die man schon längst vergessen hatte. Niemand wußte, woher das alles plötzlich kam. Doch der Nachholbedarf war riesengroß. Der Schwarzmarkt, der so gut floriert hatte, war tot. Bald verließen die ersten Flüchtlingsfamilien Widdershausen, um in der Stadt zu wohnen, wo es bessere Verdienstmöglichkeiten gab. Andere wieder waren durch den Lastenausgleich gar bald in der Lage, sich einen bescheidenen Neubau zu leisten, und fanden in Widdershausen und Heringen eine neue Heimat.

Propagandatafel der DDR in der Nähe von Bodesruh

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