Kirmes - Widdershausen aktuelles Projekt

Chronik Widdershausen
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Kirmes

Dorfleben
Kirmesumzug 1955, Pferdegespann von Heinrich Koch, an den Zügeln Kurt Haas ("Hoaren Kärtchen"), rechts im Vordergrund Werner Heidel
Kirmesunzug 1955, Pferdegespann vor dem alten Bürgermeisteramt
Kirmes in Widdershausen
Kirmes (Kirchmesse, Kirchweihfest)

Schon seit tausend Jahren wird von den Katholiken das Kirchweihfest - der Tag der Weihe einer Kirche durch den Bischof - gefeiert. An den Festgottesdienst schliesst sich ein Volksfest an. Um die Unzahl von Festen zu steuern, die sich bei Festhalten an den wirklichen Jahrestagen ergeben hatte, wurde ein für alle geweihten Kirchen (in Widdershausen war die Kirche St. Martin geweiht) eines Bistums gemeinsamer Gedenktag festgelegt, der meist im Oktober bis Anfang November liegt und oft noch ausser dem die Bedeutung eines Erntedanktages hat. Im protestantischen Widdershausen wird der Erntedank durch den traditionellen Erntewagen im Kirmesumzug ausgedrückt. Ob, und in welcher Form, unsere Kirmes erst nach dem Bau unserer heutigen Kirche entstand, ist nicht belegt. Möglich und denkbar wäre, dass auch schon viel früher eine volkstümliche Art des Gedenkens an den Bau einer oder mehrerer Vorgängerkirchen bestand. Dies wurde vielleicht auch schon Kirmes oder Kirchweih genannt.
Musikkapelle vor der alten Linde in der Dorfmitte 1920
Die Kirmes in Widdershausen findet immer am ersten Oktoberwochenende statt. Aus den Akten 100/3510 und 100/6564 V im Staatsarchiv Marburg ist die Kirmes am 7., 8. und 09. Oktober 1851 mit 3 Kirmestagen in Widdershausen belegt. Auch bedingt durch die in Widdershausen bis 1900 vorherrschende Landwirtschaft, liegt der Kirmestermin sicherlich am günstigsten in dieser Jahreszeit. Denn während der sehr arbeitsintensiven Jahreszeiten von Frühjahr bis zum Herbst erlaubten sich unsere Vorfahren sicherlich nicht eine Feier über mehrere Tage.
Fast überall ist das Kirchweihfest - oder Kerwe, Kilbe, Kier, Kirmes (Kirchmesse), bayrisch Kirta (Kirchweihtag) - ein lautes, ungebärdiges Fest. Der eigentliche Anlass ist aus dem Jahrmarktstreiben und seinen Volksbelustigungen kaum noch zu erkennen. So hat sich die Kirmes auch in protestantischen Gegenden erhalten, wo es ja die Kirchweihe nicht gibt. Eine besondere Anziehungskraft haben und hatten die Feste auch für die Jugendlichen der Nachbarorte. Karussell, Bierzelt und Schiessbude bestimmen das Bild. Früher tauchten zur Kirmes auf den Bauernhöfen gern die Verwandten im Feststaat auf und nahmen am festlichen Mahl teil.
Die Hauptaufgabe der Kirmesburschen und Kirmesmädchen besteht in erste Linie in der Organisation und Abwicklung der Kirmes. Erst in zweiter Linie darin, im Kirmeszelt für Stimmung zu sorgen! In einigen Orten ist es auch Pflicht, als erster ins Zelt zu kommen und als Letzter zu gehen. Die Kirmesfahne darf nie aus den Händen gelangen. Gerne wird diese von Kirmesburschen aus den Nachbardörfern entführt und nur gegen ein hohes Lösegeld (meist in flüssiger Form) zurückgegeben.
Die Kirmesburschen und Kirmesmädchen traten immer als Veranstalter auf, erst in neuerer Zeit wird die Kirmes mit Unterstützung bzw. durch die Vereine organisiert.

Freitagsabends beginnt die Kirmes mit einem Fackel- oder Laternenumzug für die ganz Kleinen, der von der Musikkapelle begleitet wird und dem Feuerwehrauto und einem Polizeiwagen abgesichert wird. Ab etwa 1985 folgt dem Fackelzug ein Discoabend in der Mehrzweckhalle.

Am Samstagmorgen wurde früher mit dem Ausschmücken des Dorfes auf der Strecke des Kirmesumzuges mit Birkenbäumchen begonnen. Seit den 60er Jahren ist dieser Brauch leider verloren gegangen. Am Samstagabend findet der große Kirmes-Tanz in der Mehrzweckhalle statt. Früher tanzte man auf drei Sälen, im Saal der Gaststätte Ruch (heute Führer), der Gaststätte Trieschmann (heute Koch) und der Gaststätte Schneider (heute Mäder).

Sonntags nach dem Kirchgang der Kirmesgesellschaft, hierbei sahen einige Kirmesburschen immer sehr “alt” aus, und dem Frühschoppen begann der Kirmesumzug. Dieser führte quer durchs das Dorf bis zum Festplatz mit dem Kirmeszelt. Heute endet der Kirmesumzug an der Mehrzweckhalle und es beginnt die Kinderkirmes. Vor der Wende fuhr der Kirmesumzug einmal zur Zonengrenze am Schlagbaum nach Dankmarshausen und wendete dort nach einem Ständchen der Kapelle für die Dankmarshäuser Nachbarn.
Um die Jahrhundertwende und früher zogen die Kirmesmusikanten durchs Dorf und spielten unter der Dorflinde zum Tanz auf. Ebenfalls aus alter Zeit ist überliefert, dass die Kirmes am dritten Tag unter der Dorflinde begraben wurde und dass der Pfarrer die rohen Scherze, deren man sich befleissigte, öffentlich zu missbilligen pflegte.

Auch den Brauch die Kirmes vier Wochen vor Beginn “anzutrinken” gibt es nicht mehr.

Am Montagmorgen fand in den Widdershäuser Gaststätten ein Katerfrühstück statt. Im Laufe des Montags­ bringen die Kirmesburschen zusammen mit der Kirmeskapelle den Widdershäusern ein Ständchen (Umspielen). Beim Umspielen wurde früher um milde Gaben (in Münzform) gebeten, wer etwas in die Sammelbehälter steckte bekam auch einen grossen Schluck aus den geschmückten Branntwein- oder Kornflaschen. Das gesammelte Geld wurde in der Regel zur Bezahlung der Kirmeskapelle verwendet.
Kirmes 1975 Fahrrad (Pentadem) mit Bierkiste mit Reinhard und Helmut Schäfer, Roland Vogt, Dieter Marten und Lothar Walter
Kirmes Widdershausen 1976 - Kirmeswagen mit heiklem Motto, am Lenker Bernd Koch, Beifahrer: Harald Rimbach und Jörg Schneider
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