Chronik und Dorfbuch von Widdershausen/Werra

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Urkunden

Mittelalter

Widdershausen auf der Zeitachse - in alten Urkunden

In Widdershausen fand man im Werrakies eine menschliche Schädeldecke, bearbeitete Geweihteile und Steinwerkzeuge. Danach kann angenommen werden, daß die Uferlandschaft zwischen Widdershausen und Dankmarshausen bereits in prähistorischer Zeit besiedelt war.

58 n. Christus. Die Westgrenze von Thüringen fällt seit uralter Zeit mit der Ostgrenze von Hessen zusammen. Tacitus (Publius Cornelius, römischer Geschichtsschreiber) berichtet zum Jahre 58 n. Christus über einen heftigen Kampf der Hermunduren und Chatten am salzreichen (flumen conterminus) Grenzflusse. Die Hermunduren blieben Sieger. Bei diesem Grenzfluß handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Werra (Wirrae), an der uns zahlreiche Salzquellen, besonders bei Sooden und Salzungen begegnen.

531 n. Christus. Im Fuldaknie (die Gegend um Bebra) finden wir insgesamt 25 Orte, deren Namen mit –hausen endet. Außer dieser flächenhaften Verbreitung der hausen-Orte um das Fuldaknie, finden wir weitere hausen-Orte am Rande altbesiedelter Gebiete, deren Orte man am Namen erkennen kann: Gerstungen, Berka, Heringen, Salzungen, Ulfen, Röhrda, Netra und Renda. Diese Gebiete haben meist die besseren Böden. Zu diesen hausen-Orten gehören Herleshausen/Salmannshausen/Unhausen mit der Brandenburg, Krauthausen/Wichmannshausen mit der Boyneburg, Nentershausen mit der Tannenburg, Dankmarshausen/Widdershausen mit der Hornsburg und sicher auch Lautenhausen/Hillartshausen mit der Dreienburg. Auch bei Heimboldshausen soll es eine Igelsburg gegeben haben.

Die hausen-Orte in Verbindung mit Burgen hatten eine besondere strategische Lage. Herleshausen, Dankmarshausen/Widdershausen, Wölfershausen und Heimboldshausen beherrschten die Werraübergänge. Nentershausen, Wichmannshausen und Lautenhausen mit ihren Burgen überwachten Höhenzüge und Wasserscheiden an wichtigen Straßen.

Die Mehrzahl dieser Orte soll nach der Eroberung des Thüringerreiches (531 nach der Schlacht bei Burgscheidungen) durch die Franken (Haus = Herrensitz) und vor der Gründung der Klöster Fulda (744) und Hersfeld (769) angelegt worden sein (Deist, Die Siedlungen der Bergbaulandschaften an der hessisch-thüringischen Grenze, S.49ff, 1938). Die hausen-Orte in Zusammenhang mit Burgstellen waren offensichtlich gegen die Thüringer gerichtet. Denn nach dem o.a. Sieg der Franken über die Thüringer dienten di hausen-Orte der fränkischen Kolonisation, der Eingliederung der Thüringer in das Frankenreich.

Wederoldeshusen war in dieser fränkischen Zeit, so kann man aus späteren Aufzeichnungen entnehmen, wahrscheinlich eine Ansiedlung mit ca. 10 fränkischen Doppelhufen-Höfen. Eine Doppelhufe waren 60 Acker, oder 15 ha Ackerland, dazu kam eine entsprechende Grünlandfläche.

744 schenkte der Hausmeier Karlmann (Karl Martells ältester Sohn) sein Eigendorf Gerstungen (Gerstunge) an das Kloster Fulda, dem später auch die kirchlichen Vororte Heringen (St.Martin) mit Widdershausen und Vacha (St.Veit) gehörten (Schellhase, Territorialgeschichte des Amtes Friedewald, 1926).

Aus der Geschichte des Klosters Fulda ist uns bekannt, daß bei der Schenkung König Karlmanns als „Zubehör“ noch die Gemeinwesen Untersuhl, Dankmarshausen, „Säulingsee“ (Großensee), Süß und Neustädt mitverschenkt wurden. Als nördlicher fuldischer Vorposten dürfte somit diese Gegend eine wichtige Rolle bei der Missionierung des thüringischen und sächsischen Stammesgebietes gespielt haben. Die vielen Sagen aus unserem Gebiet, die mit dem heiligen Bonifatius in Verbindung gebracht werden, sind historischen Hintergrundes.

775 schenkt König Karl dem vom Bischof Lullo gegründeten Kloster Hersfeld den zehnten Teil der königlichen Villa Salzungen (Salsunga) an der Werra im Gau Thüringen mit allem Zubehör, insbesondere den dazugehörenden Salzpfannen.

In der unmittelbaren Umgebung von Widdershausenwerden noch in der flänkischen Zeit urkundlich belegt Auenheim 749 und „Berchaho“ unser nachbarliches Berka, 786 in dem bekannten „Breviarium sancti Lulli“, dem „Lullusbrief“. Lullus war der Gründer des Klosters Hersfeld und Nachfolger von Bonifatius auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Wenn im Jahre 977 Kaiser Otto II. dem Stift Rasdorf, welches zum Kloster Fulda gehörte, Grundbesitz in „Sulaho“ - also Obersuhl – übereignet, so dürfen wir annehmen, daß diese Urkunde eine erneute Bestätigung der Grundrechte des Klosters Fulda in unserem Raum bedeutet. Eine frühmittelalterliche grundherrschaftliche Trennung bestand zwischen den beiden großen Missionsklöstern Fulda und Hersfeld, und zwar derart, daß links der Werra fuldisches Territorium war und rechts der Werra die hers­feldische Einflußsphäre begann. Für letztere stehen Berka 786, Salzungen (775 - Karlsurkunde) und Dorndorf (786 - Grenzbeschreibung der Mark Dorndorf (Thoranthorpf); eines der wichtigsten frühgeschichtlichen Dokumente für unsere weitere Heimat).


König Ludwigs Tauschurkunde von 845

Am 18. Juli 845 überläßt König Ludwig, der Deutsche, dem Kloster Fulda unter Abt Hatto tauschweise seine Besitzungen, welche sein Vasall Hartwich von ihm in der Mark Eiterfeld in der Buchonia (Waldgebiet zwischen Fulda und Werra) zu Lehen gehabt hat, gegen alle Klostergüter zu Zutilinga, Willihereshusen und Tunnaha verfügt, daß nach seinem Tode das eingetauschte Gut dem Kloster Fulda anheimfalle.

In dem Güterverzeichnis dieser Urkunde finden wir auch die Ortschaft Widerolteshusen (Widdershausen oder Willershausen?).

Viele Autoren (Böhmer-Mühlbacher) halten diese Urkunde für echt; allerdings ist sie vom Fuldaer Mönch Eberhard in seiner bekannten Art überarbeitet und verunechtet.

Quelle: O.Dobenecker, Regesta Diplomatica Necnon Epistolaria Historiae Thuringiae,
1896, Band I, 194, S.44

König Ludwigs Tauschurkunde von 845 in der Abschrift des Codex Eberhardi,

König Ludwigs Urkunde zum Zehntstreit von 874 (876)

Am 18. Mai 874 bestätigt König Ludwig in einer Reichsversammlung zu Ingelheim, unter Beilegung des unter seiner Regierung zwischen Liuperd, Erzbischof von Mainz, und Sigehard, Abt von Fulda ausgebrochenen Zehntstreites dem Kloster Fulda den Zehnten u.a. zu Völkershausen (Folcgereshusun), Heringen (Heringa), Widdershausen (Widerolteshusen), Gerstungen (Gerstunge), Willershausen (Uuiderolteshusun) und Langensalza (Salzaha).

Die Urkunde ist eine Fälschung der Fuldaer Mönche aus dem 10. Jahrhundert (Reimer). Die Orte Widerolteshusen und Heringa werden von Historikern für Nordthüringen reklamiert, obwohl Willershausen (einer dieser Orte) getrennt neben Widerolteshusen in der Urkunde genannt wird.

Quelle: O.Dobenecker, Regesta Diplomatica Necnon Epistolaria Historiae Thuringiae,
1896, Band I, 246, S.55


Am 30. Mai 1003 erwarb der Hersfelder Abt Berhard von König Heinrich II. den Forst- und Jagdbann in dem unbesiedelten Waldgebiet „Eherinevirst“ (heute größtenteils Seulingswald), einen Bezirk, der den westlichen Teil des Kreises Rotenburg und den nördlichen Teil des Kreises Hersfeld einnahm. Mit dem Forst- und Wildbann, auf Grund dessen dem Abt allein Recht und Freiheit zugestanden, im Bannbezirk zu jagen und zur Nutzung, Rodung und Besiedlung freizugeben.

Vom 20.-22. Oktober 1073 trafen sich die „Großen“ des Reiches zu einerFürsten­versammlung in Gerstungen, einem Orte „an der Grenze Hessens und Thüringens“, wie der in Hersfeld lebende Mönch Lambert berichtete.

Gegen Heinrich IV. erhoben sich im Jahre 1073 die Sachsen und Thüringer. Sie standen zu Anfang des Jahres 1074 mit ca. 40.000 Mann in einer Front längs des Südhangs des Richelsdorfer Gebirges der königlichen Verteidigungsfront, die sich von Heringen-Widdershausen über den Hönebacher Sattel entlang der Franzosenstraße bis zur Burg und den Ort Reichenbach erstreckte, gegenüber. Da rückte am 26. Januar 1074 König Heinrich IV. mit einem kleinen, aber vorzüglich bewaffneten Heer von Wormser Bürgern, etwa 6.000 Mann stark, auf der Kaiserstraße Worms-Frankfurt-Fulda-Hersfeld in die fränkische Verteidigungslinie ein. Am 27. Januar 1074 befand sich der König in dem Königshof Breitenbach und ließ hier von seiner Kanzlei eine Urkunde ausstellen. Der Führer der Aufständischen, Otto von Nordheim, wich in den kommenden Wochen mit großem Geschick jeder kriegerischen Auseinandersetzung aus, so daß die feindlichen Heere in dem sehr kalten Winter festgelegen haben.

Dann traf man sich erneut in Gerstungen zu Verhandlungen, wobei die Aufständischen ihre Bedingungen durchzusetzen vermochten: Schleifen der königlichen Burgen, Rückgabe der durch den König konfizierten Güter, Amnestie für alle am Krieg beteiligten.

Unter diesen Bedingungen wurde am 2. Februar 1074 der „Friede zu Gerstungen“ geschlossen.

1086 findet der „Tag von Berka“ statt. Abgesandte des Königs verhandeln mit denjenigen des Papstes Gregor VII., die kaiserliche Partei hatte in Gerstungen ihr Lager, die Päpstlichen in Berka. Diese Zusammenkunft ist oftmals als „Reichstag“ bezeichnet worden. Die streitenden Gregorianer und Kaiserlichen (die Kaiserkrönung erfolgte 1084 in Rom) konnten keine Einigung finden; es war der Höhepunkt des Investiturstreites im Deutsch-Römischen Kaiserreich.


Widdershausen, Mein Heimatland, 1921
Aus Mein Heimatland (MH) Band 5, Nr.3 vom 15.10.1921, J.H. Gebauer, Essen

Die in Nr. 1 dieser Zeitschrift abgedruckte Sage über Dankmarshausen und Widdershausen gibt mir Veranlassung, etwas näher auf die Geschichte des Namens Widdershausen einzugehen.

In alten fuldischen Urkunden aus dem 9. und 12. Jahrhundert (Dronke, Traditiones et Antiquitates Fuldenses Cap.46; Dobenecker, Regesta dipl. Thuringiae Band I Nummer 246 und Band II Nummer 308) kommt auch der Ortsname Wiederoltshusen vor. Dobenecker hält diesen Ort für Willershausen bei Kreuzburg (Werra), obwohl zusammen mit Wiederoltshusen auch Orte unserer Gegend aufgeführt werden.

Eine andere Urkunde vom 27.04.1430 führt unter den Dörfern des Gerichts Heringen den Ort Heroldeshusen auf und ein Lehnbrief vom 10. Juli 1431 erwähnt Roldeshusen im Gericht Heringen. Die Quittung aber für diesen Lehnbrief, am gleichen Tage ausgestellt, enthält den Ortsnamen Wiederolteshusen. Der Inhalt der letztgenannten Urkunden läßt uns nicht im Zweifel darüber, daß in allen drei Fällen, sowohl unter Heroldeshusen, wie Roldeshusen, als auch unter Wiederolteshusen unter Widdershausen/Werra zu verstehen ist.

Es kann darum auch nicht mehr zweifelhaft sein, daß unter dem Wiederolteshusen der alten fuldischen Urkunden nicht Willershausen bei Kreuzburg, sondern auch Widdershausen/Werra gemeint ist.

In der Verkaufsurkunde des Gerichts Heringen vom 08.10.1432 findet sich noch einmal die Namensform Wyderolteshusen, um dann für immer die heute gebräuchliche Form Widdershausen Platz zu machen. Die Abweichungen in der Namensform, die sich in den Urkunden des 15. Jahrhunderts finden, lassen sich vielleicht damit erklären, daß die Kürzung des Namens sich damals noch nicht vollständig und einheitlich durchgesetzt hatte, sondern noch schwankend war.

Was die eingangs erwähnte Häusnersche Sage betrifft, so zeigt es sich, daß sie keinerlei geschichtliche Grundlage besitzt, sondern als einer jener Erklärungsversuche angesehen werden muß, wie sie im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts häufiger auftreten.

Quelle: STAM „Heringen“ und
STAM, von Boineburgisches Kopialbuch Regest Nr. 585 c und g

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