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August Rosterg

Chronik 3 > Bergbau
August Rosterg als Aufsichtsrat der Westfalenbank AG von 1921 - 1926 und 1932 - 1945(†), er gehörte zu einer Gruppe von Industriellen, die die Vorstellung einer eigenen "Revier-Bank" 1920/21 in die Tat umsetzten.
August Heinrich Rosterg auf einem Bild aus der Deutschen Allgemeinen Zeitung, Berlin vom 20. Februar 1935
August Rosterg - der "Macher" von Wintershall
August Heinrich Rosterg (22.2.1870-13.11.1945) war das zehnte von dreizehn Kindern aus einer westfälischen Bergarbeiterfamilie. Er besuchte die Volksschule, arbeitete als Jungbergmann, absolvierte nebenbei die Bergvorschule, anschließend die Maschinenbauschule in Dortmund sowie 1890-93 die Bergschule in Bochum.
Der ihm als Jahrgangsbestem verliehene Preis ermöglichte ihm 1895/96 ein Studium an der Bergakademie Clausthal-Zellerfeld im Harz.
Wie sein Großvater Johann Dietrich (Bergmann und Fahrhauer 1802-1880) und sein Vater Heinrich (Steiger in Niedermassen 1827-1903) arbeitete er zunächst als Bergmann auf der Kohlenzeche Massen, bevor er 1895 ein Ingenieurstudium an der Bergakademie in Clausthal aufnahm.
Um sein Studium zu finanzieren, half Rosterg in den Semesterferien beim Abteufen des Kalischachtes Beienrode im Südharz-Revier. Nach ersten Anstellungen als Steiger im Kalischacht Schüssel bei Salzgitter und als Betriebsführer des Kalkwerks Messinghausen (Sauerland). Dort und im Südharz-Revier fiel er einem Anteilseigner (Heinrich Grimberg aus Bochum) der Bohrgesellschaft Wintershall auf, die ihn 1898 als Bohringenieur einstellte und mit der Leitung des Schachtbaus in Heringen an der Werra beauftragte. Hier brachte er erste Mutungsbohrungen sowie anschließend den Schacht Grimberg bei Heringen/Werra trotz großen Wasserzuflusses erfolgreich nieder.
August Rosterg (in der Mitte sitzend) auf einem Belegschaftsfoto während der Abteufzeit des Schachtes Grimberg
Schachtteufe des Schachtes Grimberg I in den Heringer Auewiesen im Jahre 1901, unter Abteufen versteht der Bergmann das Herstellen von Schächten oder anderen senkrechten Grubenbauten
Rostergs energische Bauleitung und die erfolgreiche Anwendung des Tomson’schen Wasserziehverfahrens begründeten seinen Ruf als genialer Ingenieur und durchsetzungsfähiger Gestalter. Sein technisches Geschick, gepaart mit wirtschaftlichem Sachverstand, brachte der Kaligrube schnell ökonomischen Erfolg und wurde 1906 zum technischen Direktor ernannt. Er stieg in die Führung der Gewerkschaft Wintershall auf, erhielt 1908 als Bergwerksdirektor Prokura und wurde 1916 zum Generaldirektor für alle Werke der Wintershall-Gruppe ernannt. Nach dem Ersten Weltkrieg baute Rosterg die Gewerkschaft Wintershall zum führenden Kalikonzern Deutschlands aus. Zeitweise hatte Wintershall einen Anteil von mehr als 40 Prozent am Gesamtabsatz der deutschen Kaliindustrie. Rosterg forcierte dazu die Rationalisierung des Konzerns: Er schloss in den 1920er Jahren zahlreiche unrentable Schächte und fasste die 15 verbliebenen zu acht großen Kaliwerken zusammen. Rostergs Rationalisierungsmaßnahmen fanden ihren Höhepunkt im Bau des Kaliwerks Merkers, den er gegen vielfältige Widerstände durchsetzte. Das 1925 fertig gestellte „Mammutwerk“ war damals das größte und modernste Kaliwerk der Welt.
Erster Spatenstich am Schacht Neuheringen (später mit Zentralwerkstatt ZW und Lehrwerkstatt LW) durch August Rostergs Ehefrau Dora Rosterg geb. Strauch (1873-1913) am 1. Juni 1907. Dora in der Mitte im weißen Kleid und August am rechten Bildrand mit Heinz Rosterg (*1904) an der Hand, etwas weiter links, neben Dora spielt Thea Rosterg (*1905).
1921gründete er mit der "Dresdner Bank" die "Kali-Industrie AG", Kassel, als Finanzierungs- und Holdinggesellschaft, die 1929 in "Wintershall AG" umfirmierte. Seit dieser Zeit kapitalmäßig an dem verschachtelten Konzern beteiligt, verfügte er seit den 1930er Jahren zusammen mit Günther Quandt (1881 1954) über die Majorität. Der Konzern hatte eine beherrschende Stellung im Kalisyndikat (Rosterg war 1. stellv. Vors. d. "Dt. Kalisyndikats GmbH"). Rosterg schloß 1926 mit Frankreich ein Exportkartell ab. 1927 gründete er mit Peter Klöckner (1863 1940) die "Gewerkschaft Victor", Castrop-Rauxel, um als Außenseiter des Syndikats mit synthetisch hergestelltem Mischdünger aus Ammoniak und Kali in die Weiterverarbeitung der eigenen Rohprodukte zu höherwertigen Düngemitteln für die Landwirtschaft vorzudringen (1908/09 erste Sulfatfabrik b. Heringen). 1931 erweiterte Rosterg den Konzern um die heimische Erdölförderung einschließlich Erdgasgewinnung als zweitem wirtschaftlichen Standbein des Wintershall-Konzerns, wobei er in den 1930er Jahren auch in die Erdölverarbeitung (Gewerkschaft Elwerath, Gewerkschaft Dt. Erdölraffinerie) einstieg.
Für die Direktoren ihrer Werke errichteten die Kaliunternehmen repräsentative Gebäude, wie hier neben dem Schacht Grimberg in Heringen
Villa Rosterg Kaiserstraße 56 in Kassel hier wohnte Rosterg von 1919 bis November 1943
1921gründete er mit der "Dresdner Bank" die "Kali-Industrie AG", Kassel, als Finanzierungs- und Holdinggesellschaft, die 1929 in "Wintershall AG" umfirmierte. Seit dieser Zeit kapitalmäßig an dem verschachtelten Konzern beteiligt, verfügte er seit den 1930er Jahren zusammen mit Günther Quandt (1881 1954) über die Majorität. Der Konzern hatte eine beherrschende Stellung im Kalisyndikat (Rosterg war 1. stellv. Vors. d. "Dt. Kalisyndikats GmbH"). Rosterg schloß 1926 mit Frankreich ein Exportkartell ab. 1927 gründete er mit Peter Klöckner (1863 1940) die "Gewerkschaft Victor", Castrop-Rauxel, um als Außenseiter des Syndikats mit synthetisch hergestelltem Mischdünger aus Ammoniak und Kali in die Weiterverarbeitung der eigenen Rohprodukte zu höherwertigen Düngemitteln für die Landwirtschaft vorzudringen (1908/09 erste Sulfatfabrik b. Heringen). 1931 erweiterte Rosterg den Konzern um die heimische Erdölförderung einschließlich Erdgasgewinnung als zweitem wirtschaftlichen Standbein des Wintershall-Konzerns, wobei er in den 1930er Jahren auch in die Erdölverarbeitung (Gewerkschaft Elwerath, Gewerkschaft Dt. Erdölraffinerie) einstieg.
Rosterg war seit 1932 Mitglied im Keppler-Kreis, der nach 1933 zum „Freundeskreis Reichsführer SS" umbenannt wurde, hier 1936 in Dachau, Quelle: KZ-Gedenkstätte Dachau
Ausgehend vom Bergbau, hatte er in drei Jahrzehnten einen vertikal gegliederten Konzern vom Rohprodukt bis zur Weiterverarbeitung für die Sparten Kali und Erdöl aufgebaut. Rosterg gehörte zu einer Gruppe von Industriellen, die Hitler im Jahr 1931 für den Fall eines Linksputsches 25 Millionen Reichsmark bereitstellten. Rosterg schrieb Artikel für den Völkischen Beobachter und war seit 1932 Mitglied im Keppler-Kreis, der nach 1933 zum "Freundeskreis Reichsführer SS" umgewandelt wurde.
Im November 1932 gehörte er zu den Unterzeichnern der Eingabe von Industriellen, die Hitlers Kanzlerschaft forderte. Er nahm an dem Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 von Industriellen mit Hitler teil, bei dem eine Wahlkampfhilfe von 3 Millionen Reichsmark für die NSDAP beschlossen wurde. Rosterg beteiligte sich an der NS-Aufrüstung (Fischer-Tropsch-Werke: Gewerkschaft Victor 1935, Lützkendorf 1936, Magnesiumelektrolyse Heringen 1935). Er war Aufsichtsratsmitglied in der 1941 gegründeten "Kontinentale Öl AG" zur Ausbeutung der Erdölquellen in der Sowjetunion.
Im schwedischen Reichsarchiv existiert ein Visumsantrag für Rosterg und sein Haushälterin/Sekretärin Martha Beyer vom Mai 1944 (Ankunftszeit voraussichtlich Juni 1944). Als Führsprecher fungierten Bankdirektor Jacob Wallenberg Senior (Enskilda Bank) und Arvid Richert (Schwedische Gesandtschaft Berlin). Grund der Reise nach Stockholm war eine Reorganisation der Vertriebsorganisation in Schweden.
August Rosterg änderte mehrfach vor seinem Tod in Stockholm sein Testament handschriftlich (5.6.1945, 8.8.1945, 9.8.1945). Dabei setzte er seinen verbliebenen Sohn Heinz Rosterg ein und widerrief dies zu Gunsten der Wintershall. Vermutlich ist im Sommer 1945 der Kontakt nach Deutschland komplett abgebrochen, da seine Änderungen den Zusatz enthalten: "...Falls mein Sohn Heinz Rosterg nicht mehr leben sollte,..." . Seine Tochter Dorothea ist hierin nicht erwähnt. Am 13. November 1945 stirbt August Rosterg im Sarafimer Hospital in Stockholm.
Dr. Heinz Rosterg kaufte 1935 das Anwesen Gut Dahlberg bei Attendorn. In dieser Zeit kam viel Nazi-Prominenz zu Besuch nach Dahlhausen. Erst 1956 kaufte der Ruhrtalsperrenverband Essen von den Rosterg-Erben das Gut Dahlhausen.
Das von Heinz Rosterg über dem Krieg in einer Scheune des Gutes Dahlberg abgestelltes BMW 328 Wendler Stromlinien-Coupé entwendeten 1945 die Alliierten. Heute steht es als Ausstellungsstück im Deutschen Museum in München.
August Rostergs erster Sohn Heinz (eigentlich Heinrich) wurde am 7.7.1904 in Jena in der Carl-Zeiss-Str. 1 geboren und am 03.09.1904 in Heringen an der Werra getauft. Taufpaten waren: Betriebsführer Wilhelm Heckmann auf Kaiseroda bei Salzungen, Betriebsführer Heinrich Schwartz auf Beiersrode bei Braunschweig, Oberlehrer Bemme in Krefeld und Emmeline Stauch in Rudolstadt (des Vaters Schwägerin). Heinz Rosterg promovierte als Dr. jur. 1928 mit dem Thema "Der deutsch-französische Kalivertrag" an der Universität in Leipzig. Danach arbeitete er als Versicherungsjurist in der Wintershall AG in Kassel. Nach einem SPEGEL-Artikel von 1968 erhält Heinz Rosterg, der zur damaligen Zeit in Falkenstein im Taunus lebte, jährlich im 6,9 Millionen Mark Dividende vom Kali-, Öl- und Erdgas-Unternehmen Wintershall AG in Kassel. Der Spruch des Patriarchen, der 1945 in Schweden starb, lastete wie ein Fluch auf dem Hause Rosterg, zumal Sohn Heinz in zweiter Ehe nach dem Krieg doch noch zweimal Vater wurde. Um das Erbe (Börsenwert: 200 Millionen Mark) zu retten, reichte Rosterg beim Nachlaßgericht Kassel eine Anfechtungsklage ein und hoffte, damit die Übereignung des Familienbesitzes auf den Wintershall-Konzern wirksam zu blockieren. Die Alternative, den Erbvertrag zugunsten von Dr. Heinz Rosterg aufzugeben, kam für die Mehrheit des WintershallVorstands nicht in Frage, da viele Vorstandsmitglieder ihm die Führung des Unternehmens nicht zutrauten. Im November 1968 informierte die BASF die Öffentlichkeit über die bevorstehende Übernahme des Wintershall-Konzerns. Nachdem auch der Kaufpreis, also vor allem die Abfindung der bisherigen Großaktionäre Dr. Heinz Rosterg und der Familie Quandt, festgelegt und mit dem hessischen Finanzministerium eine tragbare steuerliche Regelung, insbesondere der Erbschaftssteuer, vereinbart worden war, fand die BASF die Wintershall-Aktionäre mit BASF-Aktien ab.
Taufbucheintrag von Theo Edgar Wilhelm Heinrich (Heinz) Rosterg vom 03.09.1904 im Heringer Taufbuch
August Rostergs jüngster Sohn Wolfgang war war als Feldwebel in britischer Kriegsgefangenschaft im Lager Devizes. In dem Lager wurde ein Plan geschmiedet zum Ausbruch, der aber aufgedeckt wurde und die Inhaftierten verlegt wurden. Wolfgang Rosterg kam ins Camp 21 nach Comrie. Dieses berüchtigte Schwarze Lager war für fanatische Angehörige der Waffen-SS, Falschirmjäger, U-Boot Besatzungen usw. reserviert. Wolfgang Rosterg glaubte aber nicht mehr an den Endsieg und tat dies offen kund, was ein Fehler in dieser Umgebung war. Am 23.12.1944 stirbt Wolfgang (*17.12.1909 in Wiesbaden) in dem britischen Kriegsgefangenenlager Camp 21 Comrie durch fanatische SS- und Wehrmachtsangehörige, die bis zum Schluss an Deutschlands Endsieg glaubten und Wolfgang Rosterg als Kollaborateur sahen. Die britische Presse berichtete mehrfach darüber, was vermutlich August Rosterg oder auch seinen schwedischen Geschäftspartnern nicht entgangen sein wird. Im Herbst 1945 werden 8 Deutsche vor ein britisches Militärgericht gestellt und fünf zum Tode verurteilt. Die darauf folgende Exekution war die letzte Massenhinrichtung in England.
Wolfgang Rosterg wurde in der Nissenhütte Nr. 4 im POW-Lager in Comrie in Nordschottland am 23.12.1944 von seinen fanatischen Kameraden in einem Feme-Gericht "verurteilt" und zur Hinrichtung abgeführt.
Grab von Wolfgang August Gottfried Lothar Rosterg (1909 - 1944) im Cannock Chase German Military Cemetery, Staffordshire, England, die Verlegung in da Lager nach Comrie war sein Todesurteil
August Rostergs Tochter Thea Rosterg wurde am 24.11.1905 in Heringen an der Werra geboren, hier hinter dem Lenkrad ihrer Horch "8" Typ 305 (1927/1928) Limousine (später Audi Union).
August Rostergs Tochter Thea (Dorothea) Rosterg wurde am 24.11.1905 in Heringen an der Werra in der Villa Rosterg geboren und am 6.1.1906 auch im Elternhaus in Heringen getauft. Taufpaten waren: Betriebsführer Richard Rosterg in Bottrop (des Vaters Bruder), Direktor August Rosterg in Langendreer, Dr. med. Erich Stauch in Rudolstadt in Thüringen, Frau Oberlehrerin Margarete Lundgreen geb. Stauch in Rudolstadt.
Thea heiratet am 30.9.1931 Walter Wilhelm August Theodor Franz Bornschein (1894-1980), Leutnant im 1. Weltkrieg und arbeitet nach Heirat in den von seinem Schwiegervater Generaldirektor August Rosterg in Kassel geleiteten Wintershall Kali Konzern. 1935 wird er Direktor der Adam Opel AG in Rüsselsheim.
Am 26.3.1932 wird Roland Roy Bornschein in New York geboren. 1935 wird die Ehe geschieden. Der Sohn Roland Roy Bornschein wird seit 1945 vermisst.
Taufbucheintrag von Thea Rosterg vom 06.01.1906 im Heringer Taufbuch
Quellen:
Heinz Rosterg, Der deutsch-französische Kalivertrag, Dr. jur.-Dissertation, Universität Leipzig 1928
August Rosterg, Eine gesunde Wirtschaft kann sich nur in einem gesunden Staat entwickeln, Deutsche Bergwerks-Zeitung, Düsseldorf, 31.12.1933
August Rosterg 65 Jahre alt, Deutsche Allgemeine Zeitung, Berlin, 20.02.1935
Hans-Heinz-Emons, Die Kaliindustrie - Geschichte eines deutschen Wirtschaftszweigs, Vortrag Leipniz-Sozietät, 19.4.2001
Rasch, Manfred, "Rosterg, August" in: Neue Deutsche Biographie 22, 2005
Manfred Vorbrugg, Internet-Blog, Der Westfalenbänkler, Erinnerungen an die WB-Entstehungsgeschichte, 2019
Wintershall benannte seine 1957 eingeweihte Unternehmenszentrale in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel nach dem langjährigen Generaldirektor. Das Unternehmen betrachtet ihn heute als Teil seiner Unternehmensgeschichte, aber nicht einen guten Teil. Seit Jahren ist das Gebäude deshalb nicht mehr nach Rosterg benannt und auch eine 1957 aufgestellte Büste zu seinen Ehren ist inzwischen entfernt.
Auch in Heringen an der Werra benannte man eine Strasse nach dem Bohringenieur und langjährigen Generaldirektor des Wintershall Konzerns. Auch diese Strasse wurde vor Jahren wegen seiner Verbindungen und massiven Unterstützung des Nationalsozialismus umbenannt.
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