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Chronik Widdershausen
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Tollwut

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Tollwut in Widdershausen 1785

 Ein Artikel im Salzburger Intelligenzblatt vom Mittwoch, den 9. November 1785 berichtet über tollwütige Hunde in Widdershausen (Wittershausen) an der Werra.
Kopf des Salzburger Intelligenzblattes vom 09.11.1785.
Vorsorge wider dem tollen Hundsbiß
Aus dem Hessischen vom 12. Oktober
Zu den Erfahrungen, dass man durch Aufmerksamkeit und eine geschickte Behandlung den gefährlichen Folgen des tollen Hundsbisses gar wohl vorkommen könne, gehöret folgende:
Im März Monat diese Jahrs wurde in dem Dorfe Wittershausen, an der Werre, zum hessischen Amte Friedewald gehörig, ein Hund toll, und fiel nicht nur andere Dorfhunde, sondern selbst ihm bekannte Personen an, von denen er einigen mehrere Wunden beibrachte.
Nun liefen die Leute zwar, wie gewöhnlich, eher nach einem Scharfrichter, als nach einem geschickten Arzte: allein sobald dem Fürstlichen Amte zu Friedewald der Vorfall angezeigt wurde; so ersuchte der dortige ungemein thätige Amtmann, Herr Hartert, sogleich den Hersfelder Physikus, Doktor Waitz, einen wegen seiner gründlichen medizinischen Kenntnis, und seinem menschenfreundlichen Herzen gleich verehrungswürdigen Arzt, die Kur zu besorgen.
Dieser ließ die sämtlichen Hunde im Dorfe sogleich anlegen, und die 6 verwundeten Personen durch den Chirurgus Weber, nach seiner Vorschrift so geschickt behandeln, daß keine unglückliche Folgen verspürt worden.
Freylich wollte es den Leuten nicht in den Kopf, daß ihre Wunden, da sie bald wieder zuheilen anfiengen, mit Vorsatz noch drey Wochen lang offen gehalten wurden; und Amtmann und Arzt hatten genug zu thun, um sie von der Nothwendigkeit dieser Behandlung zu überzeugen.
Allein, wie nothwendig diese kluge Vorsicht war, dieß zeigte sich bald, indem vier von den gebissenen und angebundenen Hunden ebenfalls toll wurden, theils gleich dem zuerst tollgewordenen Hunde, getödtet werden mußten.
Das ganze Verfahren des Doktors Waitz wurde von Cassel aus gebilliget, und der Herr Landgraf war so gnädig, die sämtlichen Kurkosten aus seinem Aerarium bezahlen zu lassen.
Original des Artikels über die tollwütigen Hunde in Widdershausen im Salzburger Intelligenzblatt vom 09.11.1785.
Die Tollwut ist schon sehr lange bekannt, ihre wahren Ursachen dagegen nicht. So gaben die "Tobsuchtsanfälle" Betroffener den Menschen früher Rätsel auf. Tollwut galt als gottverhängte Strafe.
Bevor die Menschen wussten, welche Ursache hinter der Tollwut steckt und wie sie sich verbreitet, war die Krankheit mit verschiedenen Mythen und Aberglauben belegt. Als geheimnisvolle und immer tödliche Krankheit schürte sie die Ängste und regte die Fantasie der Menschen an. Ein Zusammenhang mit Bissen von Hunden oder hundeartigen Tieren war schon früh bekannt und führte zur Entstehung von verschiedenen Legenden.

Auch der Ursprung des Werwolfsglaubens liegt möglicherweise in der Tollwuterkrankung eines Menschen.
Eine andere Erklärung für die Hundetollwut boten die Einflüsse der Gestirne. Die Einwirkung des Hundegestirns Sirius wurde für das Auftreten der Hundetollwut verantwortlich gemacht. Daher kommt auch die Bezeichnung "Hundstage" für die Zeit des Frühaufgangs des Sirius im Hochsommer. In dieser Zeit wurden früher Hunde, die ja die Tollwut verbreiteten, gefoltert und geopfert.

Die Entwicklung des ersten Tollwutimpfstoffes durch Louis Pasteur
1885 gelang es dem Wissenschaftler Louis Pasteur, aus dem Rückenmark eines infizierten Kaninchens abgeschwächte Tollwutviren zu erzeugen. Mit diesem Impfstoff behandelte er am 6. Juli 1885 den 14-jährigen Joseph Meister, der kurz zuvor von einem tollwütigen Hund gebissen worden war, und rettete ihm damit das Leben.
Die Nachricht von dieser erfolgreichen Impfung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Dieser Impferfolg leistete nicht nur dem Schutz vor der Tollwut, sondern der Erforschung der gesamten Impfmedizin einen großen Vorschub und war der Anlass zur Gründung des Instituts Pasteur im Jahr 1887. Dieses Institut gehört bis heute zu den führenden Zentren für medizinische Grundlagenforschung.
Dieses Amulett wurde in früheren Jahrhunderten um den Hals getragen und sollte unter anderem vor Tollwut schützen
Warnung vor Wildtollwut in Deutschland, wurde meistens unter dem Ortsschild angebracht
Quelle:
Salzburger Intelligenzblatt vom Mittwoch, den 9. November 1785, Artikel: "Vorsorge wider dem tollen Hundsbiß" auf Seite 354
Harrisons Principles of internal Medicine 2012, S. 1611 – 1616
T. Löscher, G.-D. Burchard, Tropenmedizin in Klinik und Praxi, Thieme-Verlag 2010
Winkle, S.: Kulturgeschichte der Seuchen, S. 916, Artemis & Winkler 1997
Der Tollwutimpfstoff
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