Glockenguss - Widdershausen aktuelles Projekt

Chronik Widdershausen
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Glockenguss

Chronik 2 > Kirche > Kirchenglocken
Neue Glocken für die Widdershäuser Kirche
Widdershausen. Die evangelisch-reformierte Kirche in Widdershausen erhält drei neue Bronzeglocken. In der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe erlebte eine Abordnung der Kirchengemeinde hautnah mit, wie eine der drei Glocken gegossen wurde.
Auf diesen Moment haben die Besucher aus Widdershausen hingefiebert: Glühend rot taucht der Schmelztigel aus dem Inneren des Ofens auf. Als er am Haken eines Krans durch das Halbdunkel der Gießerei schwebt, schlägt der Besuchergruppe eine Hitzewelle entgegen. 1100 Grad heiß sind die 180 Kilogramm Bronze im Inneren. Um zu erleben, wie daraus eine von drei neuen Glocken für die Widdershäuser Kirche wird, ist eine 30-köpfige Delegation der Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde mit dem Bus in die Glockengießerei Bachert nach Karlsruhe gefahren. "Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind", gesteht Pfarrer Wilfried Marnach. Den Guss neuer Glocken mitzuerleben – das kommt im Berufsleben höchstens einmal vor.
Mitarbeiter der Gießerei Barchert in Karlsruhe füllen 1100 Grad heiße Bronze in die Glockenform
In Widdershausen ist dieses seltene Ereignis eingetreten, weil die Stahlglocken aus dem Jahr 1918 vom Rost zerfressen sind. Eigentlich sollten sie erst im kommenden Jahr ersetzt werden. Weil die benötigten 45 000 Euro Spendengeld schneller zusammengekommen seien als gedacht und 2017 wegen des Reformationsjubiläums besonders viele Glocken gegossen werden, habe man das Projekt ein Jahr vorziehen können. Glaube, Liebe und Hoffnung haben die Widdershäuser ihre neuen Glocken nach dem Korintherbrief genannt. An diesem Tag wird die Liebe in Form gegossen. Besondere Herausforderung sei es, die neuen Bronzeglocken klanglich an eine verbliebene aus dem Jahr 1626 anzupassen, erklärt Gießerei-Geschäftsführerin Christiane Bachert. Vom Hamburger Glockenfriedhof war dieses Exemplar nach dem Krieg ins Werratal gelangt.
Beim Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel (auch Glockenlager genannt) handelte es sich um ein großes Gelände, das ehemalige Holzlager am Reiherstieg, in der Nähe des Hamburger Hafens, das zur Zwischenlagerung von Kirchenglocken aus dem gesamten Deutschen Reich diente.
Zwischen 1939 und 1945 wurden zahlreiche, zum Teil auch berühmte Glocken und Bronzedenkmäler eingeschmolzen und gingen damit für immer verloren. Alleine auf dem Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel warteten bei Kriegsende noch weit über 10.000 Glocken auf den Schmelzofen.
Die Basis bei der Herstellung bilde die Rippe, eine Schablone der Glocke. Mit ihrer Hilfe haben die Gießer vorab über einem gemauerten Sockel die Form aus Lehm modelliert. Die besteht aus drei Schichten: Kern, falsche Glocke und Mantel. Die sogenannte falsche Glocke wird vor dem Guss entfernt – um den zurückbleibenden Hohlraum mit Bronze auszugießen. Festgemauert in der Erden – Friedrich Schillers Gedicht von der Glocke sei noch immer aktuell, betont Christiane Bachert. Die Erde biete den nötigen Gegendruck. Als die Bronze die richtige Temperatur erreicht hat, spricht Pfarrer Marnach ein Fürbittengebet. Wie ein Lava-Strom ergießt sich das Gemisch aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn in die Öffnung der Form. Plötzlich schlägt eine Flamme aus dem Inneren der Form, Bronze blubbert heraus. „Man sagt, die Glocke spuckt“, erklärt Christiane Bachert. Nach wenigen Minuten ist die Prozedur beendet, die Gemeinde singt „Großer Gott wir loben dich“. Etwa eineinhalb Wochen muss die Form jetzt auskühlen. Dann zeigt sich, ob die Liebe auch den erhofften Klang hat.

Quelle: Neue Glocken für Widdershausen werden gegossen, Herfelder Zeitung vom 4. Mai 2016
Abordnung der Widdershäuser Gemeinde vor der Gießerei Barchert in Karlsruhe
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